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Entscheidung zur Sommerbühne: "Das halte ich für Wahnsinn"

Entscheidung zur Sommerbühne: "Das halte ich für Wahnsinn"

Das hatte sich Landrat Erich Pipa (SPD) ganz anders vorgestellt: Zwar hat der Kreistag am Freitag seine Pläne für die Sommerbühne nicht vollends gekippt, der beschlossene Antrag der CDU macht allerdings eine schnelle Realisierung am vorgesehenen Standort in Wächtersbach unmöglich. „Dann ist die Sommerbühne tot“, erklärte Pipa bereits während der Debatte und bekräftigte diese Aussage im Interview nach der Abstimmung.

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Herr Pipa, Sie haben gesagt, wenn der Kreistag für den CDU-Antrag stimmt, ist die Sommerbühne tot. Bleibt es dabei?
Erich Pipa: „Ja, denn es wird keine Stadt oder Gemeinde geben, die sich für dieses Projekt entsprechend der jetzt formulierten Bedingungen bewirbt. Laut Kreistagsbeschluss muss in dieser Kommune eine Bürgerbefragung durchgeführt werden, bevor ein konkreter Standort feststeht. Und das halte ich für Wahnsinn und zwar deswegen, da der Bürgermeister überhaupt keine endgültige Aussage treffen kann, weil dann das Genehmigungsverfahren noch gar nicht begonnen hat. Das heißt, die Bürger und viele andere werden sagen, dass nicht alle Fragen beantwortet werden können. Und das wissen die Städte und Gemeinden und werden sich erst gar nicht bewerben.“

Gilt das auch für Wächtersbach?
Pipa: „Diese Stadt hat sich bereit erklärt, auch für andere Kommunen Verantwortung zu übernehmen und nicht nur für den östlichen Teil des Kreises, aber sie wird nach meiner Einschätzung am Montag oder Dienstag im Magistrat entscheiden, dass sie ihr Angebot zurückzieht. Und dann ist erst einmal gar nichts da. Die kulturtreibenden Vereine können das dann auf Wiedervorlage für das Jahr 2025 legen, bis dahin wird nichts passieren. Mit Ausnahme von Lippenbekenntnissen, was ja heute im Kreistag bereits zu hören war. Und die Begeisterung der Vereine ist quasi nichts wert, sie fühlen sich von der Politik nicht richtig unterstützt. Das wird so kommen, aber es ist nicht zu ändern, es ist eine mehrheitlich gefasste Entscheidung.“

Gibt es eine Erklärung dafür, dass sich der Kreistag nicht für ihren Weg zur Sommerbühne begeistern ließ?
Pipa: „Das sind politische Grabenkämpfe und das hat natürlich auch mit den handelnden Personen zu tun. Es wurde viel gesprochen, aber da traut keiner dem anderen. Auch am Donnerstagabend wurden noch Gespräche auf verschiedenen Kanälen geführt und da war ich mir sicher, dass mein Vorschlag im Kreistag von der CDU mitbeschlossen wird.“

Und was hat ihrer Meinung nach den Umschwung bewirkt?
Pipa: „Die CDU will den Preis für eine Koalition hochschrauben. Nach dem Motto: Ohne uns läuft hier nichts. Ich hatte ja beispielsweise auch Frau Srita Heide zu Gast, es kann also keiner sagen, er oder sie wären nicht informiert gewesen.“

Warum war es für Sie keine Option, erst einen Bürgerentscheid in Wächtersbach zu machen und danach konkret in die Planungen einzusteigen?
Pipa: „Sie können die Bürgerinnen und Bürger doch erst dann fragen, wenn auch die Grundlagen für einen Bürgerentscheid vorhanden sind. Und dabei ist ganz wichtig, dass alle Fragen beantwortet sind und die Bevölkerung genau weiß, was auf sie zukommt. Und der genaue Standort kann erst in einem Genehmigungsverfahren festgelegt werden, in das auch Landesbehörden miteinbezogen werden müssen. Und möglicherweise kommt von dort auch ein Vorschlag für einen Standort. Erst danach können die Bürgerinnen und Bürger befragt werden. Doch der Kreistag hat sich jetzt für nichts entschieden, sondern nur Lippenbekenntnisse abgegeben, mehr nicht. Das darf er, nur müssen es die Kreistagsabgeordneten dann auch verantworten. Und ich glaube, dass die Parteienverdrossenheit bei den Kulturtreibenden, die ich kennengelernt habe, zunehmen wird. Aber es ist so entschieden worden, das ist Demokratie. Dennoch ist sehr interessant, dass in den vergangenen Monaten Entscheidungen gegen die SPD immer wieder von CDU, FDP und AfD gemeinsam getroffen wurden. Und diesmal war sogar die LINKE dabei. Aber da wird ja nicht entschieden, etwas Positives zu machen, sondern es auszubremsen oder zu verhindern. Das ist auch eine Qualität in der Politik.“

Für einen anderen Standort hätten sie sich auch nicht begeistern lassen?
Pipa: „Wir waren begeistert für viele Standorte und haben diese prüfen lassen von unserem Berater Dr. Thomas aus Bad Vilbel, dort haben die ja so eine Kulturstätte. Die war damals da übrigens auch umstritten genauso wie das Amphitheater in Hanau. Da erinnere mich noch, wie die Oberbürgermeisterin Härtel einfach ein Dach bestellt hat, was da für ein Krach war. Und heute? Nennen Sie mir einen Politiker in Hanau, der das Amphitheater in Frage stellt. Keiner. Wir waren in Erlensee, wir waren in Gelnhausen-Ost, wir haben die Müllerwiese beurteilt, auch Bad Orb. Und da kann ich mich nicht einfach für einen anderen Standort einsetzen, der keinen Sinn macht. Ich habe noch nie in der Politik Dinge gemacht, von denen ich nicht überzeugt war. Deshalb vertrete ich jetzt auch nicht einen Beschluss, der sagt Sommerbühne ja, aber wo, das weiß keiner. Ich rede doch nicht über eine Wanderbühne wie beim Zirkus, die jetzt ausgeschrieben wird. Das muss doch passen ins Ambiente und es muss einen historischen Bezug geben.“

Was passiert jetzt mit den 1,8 Millionen Euro?
Pipa: „Die kann der Main-Kinzig-Kreis an anderer Stelle ausgeben oder der Gewinn wird noch höher in den nächsten Jahren. Zwar wird das Geld laut Beschluss trotzdem zur Verfügung gestellt, aber auch das ist ein Lippenbekenntnis. Man kann doch nicht zur Bank gehen und einen Kredit für 20.000 Euro aufnehmen und dann trotzdem kein Auto kaufen. Das macht doch alles keinen Sinn.“

Sind Sie nach der Entscheidung des Kreistages auch persönlich enttäuscht?
Pipa: „Ich bin jetzt schon über 30 Jahre in der Politik, so schnell haut mich nichts um. Aber mit Hinblick auf die Gespräche mit der CDU, die auch der Herr Krätschmer und der Herr Ritter vom Chorverband geführt haben, bin ich am Donnerstagabend fest davon ausgegangen, dass es eine Regelung geben wird im Sinne der Kreisausschussvorlage. Da war nur noch ein Antrag der CDU im Gespräch, laut dem der Bürgermeister Weiher gebeten werden sollte, einen Beirat einzurichten mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, um das Genehmigungsverfahren zu begleiten. Und ich ging davon aus, dass das die Einigung ist. Und am Freitagmorgen war davon dann nichts zu hören. Und der Herr Ritter ist extra noch zur CDU-Kreistagsabgeordneten hingegangen und war danach bitter enttäuscht. Aber dazu müssen Sie ihn selbst befragen.“

Wird es von Ihnen noch einen Versuch geben, das Projekt zu retten?
Pipa: „Nein, das muss dann mein Nachfolger machen, ich weiß ja nicht, wie er dazu steht. Er muss dann sehen, wie er auf die kulturtreibenden Vereine zugeht, das kann ich nicht beurteilen.“

Also für Sie ist das Thema Sommerbühne erledigt?
Pipa: „Nicht erledigt, nur ich nehme zur Kenntnis, dass es dafür im Kreistag momentan keine solide Mehrheit gibt, weil parteipolitische Scharmützel stattgefunden haben. Und das haben die Kulturtreibenden, die in großer Anzahl erschienen sind, auch mitbekommen.“

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