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Integrierte Gesamtschulen: Landrat erneuert Kritik an Kürzungsplänen

Integrierte Gesamtschulen: Landrat erneuert Kritik an Kürzungsplänen

Landrat Thorsten Stolz (SPD) reagiert mit deutlicher Kritik auf die Entscheidung der Hessischen Landesregierung und insbesondere des Kultusministeriums, an den geplanten Kürzungen bei der Lehrerzuweisung an Integrierten Gesamtschulen festzuhalten.

Wie nach der Sitzung des Koalitionsausschusses in Wiesbaden bekannt wurde, sollen die Einschnitte trotz der massiven Kritik aus der Bildungspraxis und von kommunaler Seite weiterhin umgesetzt werden. Thorsten Stolz spricht von einem „falschen Signal für die Bildungspolitik in Hessen“. „Dass das Kultusministerium trotz der breiten Kritik aus Schulen, Kommunen und Verbänden an den geplanten Kürzungen festhält, ist fatal. An Bildung zu sparen ist und bleibt der falsche Weg. Integrierte Gesamtschulen leisten einen unverzichtbaren Beitrag zu Bildungsgerechtigkeit, individueller Förderung und gesellschaftlichem Zusammenhalt“, erklärt der Landrat. Im Main-Kinzig-Kreis gibt es insgesamt sechs Integrierte Gesamtschulen, in Maintal, Bruchköbel, Nidderau, Erlensee, Langenselbold und Bad Soden-Salmünster.

Die geplanten Maßnahmen des Hessisches Kultusministerium betreffen insbesondere die Stunden für die sogenannte Binnendifferenzierung, also jene Unterrichtsform, die das pädagogische Fundament der Integrierten Gesamtschulen bildet. Nach Einschätzungen aus der Schulpraxis können die Einschnitte je nach Jahrgang bis zu 2,1 Lehrerwochenstunden pro Klasse betragen. Schulweit kann dies den Wegfall von einer oder mehreren Lehrerstellen bedeuten. „Die Binnendifferenzierung ist kein pädagogischer Luxus, sondern das Herzstück der Integrierten Gesamtschule. Sie ermöglicht es Lehrkräften, Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichen Lernvoraussetzungen gezielt zu fördern. Wenn hier gekürzt wird, trifft das unmittelbar die Qualität des Unterrichts“, betont Stolz.

Nach Einschätzung des Landrats steht die Entscheidung des Landes in deutlichem Widerspruch zu den tatsächlichen Herausforderungen an den Schulen. Die Anforderungen an Lehrkräfte seien in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen: heterogene Lerngruppen, unterschiedliche Förderbedarfe sowie zunehmende soziale Belastungen vieler Schülerinnen und Schüler prägten den Schulalltag. „Gerade in einer Zeit wachsender Herausforderungen brauchen Schulen mehr Unterstützung und nicht weniger. Wer jetzt Stunden streicht, verschärft bestehende Probleme, statt ihnen vorausschauend zu begegnen“, so Stolz.

Der Landrat verweist zudem auf die langfristigen Folgen der Einsparungen. Fehlende Förderung im schulischen Alltag könne sich später in steigenden Unterstützungsbedarfen in der Jugendhilfe niederschlagen. „Was heute im Unterricht eingespart wird, kann morgen vielfach in der Jugendhilfe und damit im Haushalt des Main-Kinzig-Kreises deutlich teurer werden. Eine starke Schule ist immer auch präventive Sozialpolitik“, unterstreicht der Landrat.

Der Main-Kinzig-Kreis bekennt sich weiterhin klar zur Stärkung der Integrierten Gesamtschulen. Als Schulträger investiert der Kreis derzeit rund 363 Millionen Euro in die bauliche Weiterentwicklung seiner Schulen. Allein in die sechs Integrierten Gesamtschulen flossen zwischen 2016 und 2025 rund 43 Millionen Euro, weitere 30,5 Millionen Euro sind in den kommenden Jahren vorgesehen. „Es passt schlicht nicht zusammen, wenn Kommunen Rekordsummen in moderne Schulgebäude und Lernumgebungen investieren, während das Land gleichzeitig bei der personellen Ausstattung kürzt“, kritisiert Stolz.

Abschließend richtet der Landrat einen erneuten Appell an die Landesregierung: „Eine zukunftsfähige Bildungspolitik darf nicht dem Rotstift geopfert werden. Wir brauchen eine klare Priorität für Bildung. Dazu gehört ein eindeutiges Signal des Landes, die geplanten Stundenkürzungen an den Integrierten Gesamtschulen zurückzunehmen und Schulen personell zu stärken – im Interesse der Schülerinnen und Schüler, der Eltern und der gesamten Region.“

Kommentare

4
Vittorio
2 monate vor
Die Kürzungen sind richtig und hätten schon früher kommen sollen. Wir brauchen mehr Kürzungen im Sozialbereich.

Wir werfen Geld Leuten hinterher, von denen absehbar viele sowieso niemals einen Fuß auf den Boden des regulären Arbeitsmarktes bekommen werden. Viele davon landen im Bürgergeld, das natürlich auch zügig gekürzt und bei der Bezugsdauer für Gesunde und Arbeitsfähige auf fünf Jahre beschränkt werden sollte.

Stattdessen sollten Leuten bessere Bedingungen geschaffen werden, die dieses Land voranbringen und etwas lernen, leisten und erreichen wollen, statt bekümmert zu werden.

In Integrierten Gesamtschulen wird das untere Mittelmaß kultiviert und Leistungsbereite ausgebremst. Aber genau das passt zur SPD.
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1
Wahlkampf
2 monate vor
Es ist Wahlkampf und plötzlich taucht der Landrat, außer bei Festen, Geburtstagen und Jubiläen, auf. Von sein Wirken als Landrat ist sonst nicht viel zusehen. Wähler merkt euch das.
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