25 Seiten muss man durchblättern, um ihre Ideen für die nächsten fünf Jahre zu erfahren, großartige Überraschungen wird man dabei allerdings nicht entdecken.
Was gleich zu Beginn auffällt: Die Worte „Corona“ und „Klimawandel“ haben es nicht auf die Titelseite und noch nicht einmal ins Inhaltsverzeichnis geschafft. „Verantwortung, Stärke, Zusammenhalt … klarer Kurs in bewegten Zeiten“ lautet nun der Slogan bis 2026, der vermutlich auch bei allen andere Koalitionsverträgen in der Geschichte des Kreises aufgeführt hätte werden können. Die Antwort auf die Frage, welche Projekte es ohne die Pandemie nicht gegeben hätten, klingt dann auch wenig begeisternd: ein digitales Bürgerinformationssystem und die Zusammenlegung von zwei zuständigen Ämtern in der Kreisverwaltung. Natürlich wird der Main-Kinzig-Kreis auch in den nächsten Jahren zahlreiche Projekte umsetzen, die geplanten Schulinvestitionen sollen beispielsweise noch einmal um 40 Millionen Euro aufgestockt werden. Beim genauen Lesen fällt aber immer wieder das Wort „Fortsetzung“ in all seinen Varianten ins Blickfeld und ob ein „weiter so“ nach den harten Corona-Einschnitten reichen wird, muss sich erst noch zeigen.
Aber wichtige Dinge bleiben zumindest: Der Kreis wird weiterhin Ausbildungsinitiativen starten, um vor allem für Nachwuchs im Bereich Pflege und Gesundheit zu sorgen und diesmal auch das Handwerk einbinden. An den Schulen wollen die Koalitionspartner die Ganztagsbetreuungsangebote flächendeckend bis zum Schuljahr 25/26 sicherstellen. Und bei der Errichtung einer Power-to-Gas-Anlage mit Wasserstofftankstelle durch die kreiseigene Kreiswerke Main-Kinzig-Kreis wollen SPD und CDU „behilflich sein“. Nicht weitergekommen sind die Parteien bei der dringend notwendigen Wohnraumschaffung, hierfür sind im Koalitionsvertrag nur fünf Möglichkeiten aufgezählt, wie sich der Kreis beteiligen könnte, darunter ist auch die von der SPD vor der Wahl angekündigte kreiseigene Wohnungsbaugesellschaft.
Viel spannender sind da die Personalien: Die Amtszeit des Kreisbeigeordneten Winfried Ottmann läuft während dieser Legislaturperiode ab und nachdem der sich inzwischen 67-Jährige schon bei seinem Amtsantritt im Juli 2018 eigentlich eher auf sein Leben im Ruhestand gefreut hatte, wird er sich dann vermutlich aus der hauptamtlichen Politik verabschieden. Auf die Suche nach Nachfolgern hat sich jetzt anscheinend CDU-Fraktionschef Heiko Kasseckert gemacht. Bei der Vorstellung des Koalitionsvertrages präsentierte er den Kreisvorsitzenden der Jungen Union, Jannik Marquart, als Mitglied der Lenkungskommission und sagte ganz offen, dass dieser nun für höhere Aufgaben in den nächsten Jahren aufgebaut werden soll. Marquart, 25 Jahre alt und aus Hasselroth, hatte schon mit einer eigenen Kampagne zur Kreistagswahl seine politischen Ambitionen deutlich gemacht.
Die werden schon lange Christian Litzinger nach gesagt. Mit dem Bürgermeisterposten in Gelnhausen hat es für den dortigen CDU-Vorsitzenden nicht geklappt, seine Kampfkandidatur um den Kreisvorsitz hatte er überraschend kurz vor der Wahl zurückgezogen, dafür wurde er aber vor Kurzem als vierter Vertreter seiner Fraktion in den Kreisausschuss gewählt und arbeitet dort nun eng mit Landrat Thorsten Stolz zusammen. Den hätte er in den vergangenen Monaten allerdings viel lieber auf der Anklagebank im Gericht gesehen, gemeinsam mit Grünen und der Wählergemeinschaft „Bürger für Gelnhausen“ hatte die CDU eine Strafanzeige wegen Betrugs, Untreue und Vorteilsnahme im Amt gestellt. Anlass waren umstrittene Grundstücksverkäufe im Neubaugebiet „Mittlauer Weg“ im Gelnhäuser Stadtteil Meerholz, die während der Amtszeit von Stolz als Rathauschef in der Barbarossastadt abgewickelt wurden. Die Staatsanwaltschaft Hanau sah allerdings keine Notwendigkeit, gegen Stolz zu ermitteln, der Landrat beschwerte sich anschließend öffentlich über „beschämende Umgangsformen“ und forderte ein Mindestmaß an „Respekt, Fairness und Menschlichkeit“ ein. CDU-Fraktionsvorsitzender Kasseckert scheint nun aber auch Litzinger in die Spur gebracht zu haben: „Ich habe nicht gut gefunden, was in Gelnhausen gemacht wurde. Und es ist auch klar, dass dies keine Linie ist, die unserer Vorstellung entspricht.
Der Koalitionsvertrag kann auf der Homepage der SPD Main-Kinzig nachgelesen werden: https://www.spd-mkk.de/koalitionsvertrag-2021-2026/




