Etwa 90 Gäste waren der Einladung des Kreisbeigeordneten und Jugenddezernenten Jannik Marquart (CDU) zu der Auftaktveranstaltung des Programms „Jugend erleben: Demokratiefähigkeit und Medienkompetenz“ gefolgt.
In seinem Impulsreferat setzte Ole Friedrich, Lehrer für Deutsch und Sport am Grimmelshausen Gymnasium, den Ton: Er stellte Mediennutzung in einer analogen Kindheit vor und setzte sie in Kontrast zu einer Kindheit im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz: Radiowecker gegen Smartphone, analoge Quellenrecherche gegen die Nutzung von Sprachmodellen, Bestellkataloge gegen Onlineversandhandel, Zugfahrpläne gegen DB Navigator-App. Er verwies darauf, dass bereits 2022 95 Prozent der Jugendlichen ab dem 12. Lebensjahr ein Smartphone besitzen, ein Drittel ein Wearable (internetfähiger Computer in Form einer Armbanduhr) nutzt und ein Viertel einen Smart Speaker (internetfähiger Lautsprecher mit Sprachsteuerung und der Funktion eines intelligenten persönlichen Assistenten) in ihrem Zimmer hat.
Anschließend präsentierte Ole Friedrich KI-generierte Fotos und Videos. Er erläuterte, es sei mittlerweile nicht mehr möglich, Fälschung und Wahrheit klar zu unterscheiden. Dies mache Neuinterpretationen von aktuellen Ereignissen möglich: „Das ist unfassbar problematisch.“ Auch die derzeit in der Gesellschaft geführte Diskussion zu sexualisierter Gewalt im Internet sei Teil dieses Komplexes „Kinder und Jugendliche konsumieren diese Inhalte als unaufgeklärte Userinnen und User“, konstatierte Ole Friedrich.
Seinen Vortrag zu KI, aktuellen Entwicklungen, Medienkompetenz und den digitalen Lebenswelten junger Menschen schloss er mit den Worten: „Wenn wir Kindern und Jugendlichen den aufgeklärten Umgang mit digitalen Medien nicht beibringen, öffnen wir Fake News und digitalen Süchten Tür und Tor. Es kommt eine besondere Herausforderung auf uns zu.“
Zuvor hatte Ludger Stallmann, stellvertretender Leiter des Kreisjugendamtes, betont, eine wichtige Aufgabe des Jugendamtes sei es, „Jugendliche in ihrer Entwicklung zu fördern“. Dies könne nur gemeinsam mit Partnerinnen und Partnern gelingen. „Demokratische Kompetenzen können an Orten, an denen junge Menschen zusammenkommen, gestärkt werden. Denn genau dort finden Diskurse statt, kommen Fragen auf und können beantwortet werden, werden Konfliktlinien deutlich, Themen wie KI, Fake News, Hassrede oder gesellschaftliche Polarisierung inklusive.“ Die Auftaktveranstaltung sei dazu gedacht, Impulse zu geben, Austausch zu ermöglichen und Raum für Diskussionen zu eröffnen.
„Ich freue mich, dass zum Kick-off des Projektes „Jugend er-leben“, so viele Interessierte aus den unterschiedlichsten Bereichen der Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit und Schulsozialarbeit von Schulen Behörden, Verbänden sowie Vereinen gekommen sind. Es zeigt, wie ernst das Thema genommen wird und wie groß der Informationsbedarf ist“, hatte Dirk Niedoba, Geschäftsführer der Bildungspartner MK GmbH, die Gäste begrüßt.
Das Projekt „Jugend erleben“ wird im Rahmen des hessischen Landesprogramms „Jugend er-leben“ umgesetzt. Damit setzt das Land Hessen auf die Stärkung junger Menschen und knüpft an Unterstützungsmaßnahmen aus der Corona-Aufholphase an. „Jugend erleben“ ist eine Kooperation des Jugendamtes des Main-Kinzig-Kreises mit den Bildungspartnern Main-Kinzig GmbH (BIP). Im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung wurden fünf Workshops vorgestellt: „Künstliche Intelligenz verstehen und einordnen“, „Fake News und Desinformation erkennen“, „Hass und Hetze im Netz – Handlungsmöglichkeiten für die Praxis“, „‘Gesicht zeigen‘ – diskriminierungssensible Haltung entwickeln“ und „Demokratiebrücke – Demokratie verstehen und erlebbar machen“. Diese Workshops können bis Ende 2026 kostenfrei von Einrichtungen der Jugendarbeit, der Jugendverbandsarbeit und der Jugendsozialarbeit gebucht werden. Darüber hinaus gibt es weitere – ebenfalls kostenfreie – Formate wie zum Beispiel Poetry Slam, Selbstbehauptung oder „Sexualität und Medien“. Bei weiteren Bedarfen, Ideen oder Vorschlägen können passende Angebote und Formate entwickelt werden. Interessierte können sich an die BiP unter info@bildungspartner-mk.de wenden.
Kreisbeigeordneter und Jugenddezernent Jannik Marquart unterstreicht: „Wer heute durch Social Media scrollt, begegnet nicht nur Infos, sondern auch Desinformation, Hassrede, verstörenden Inhalten und extremen Positionen. Deshalb brauchen junge Menschen die Skills, all das einzuordnen und ihre Stimme selbstbewusst einzubringen. Genau da setzen wir als Kreis an: Wir stärken Medienkompetenz und Demokratiebildung ganz konkret und unterstützen die Menschen, die täglich mit Jugendlichen arbeiten.“ Wie wichtig das Thema in den Vereinen, Verbänden und Institutionen genommen werde, könne er schon allein daran erkennen, wie viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer zur besten Besuchszeit der Jugendstätten freigestellt worden seien. „Wir sind auf dem richtigen Weg“, so der Kreisbeigeordnete.
Von links: Dirk Niedoba, Geschäftsführer der Bildungspartner Main-Kinzig GmbH, Ludger Stallmann, stellvertretender Leiter des Jugendamtes, Referent Ole Friedrich, Dr. Isabel Lang, Sachbearbeitung Jugendamt, Steffen Behme, Koordinierungs- und Fachstelle Partnerschaft für Demokratie im Main-Kinzig-Kreis, freuen sich über den großen Erfolg der Auftaktveranstaltung „Jugend erleben“.



Kommentare
Angesichts der Maßnahmen, die nicht nur zum vorliegenden Artikel in Sachen Digitalisierung und der damit einhergehenden Begleiter getroffen werden müssen, ist nicht mehr nur bedenklich sondern schon beängstigend.
Man ist demnach damit beschäftigt sich der Auswirkungen anzunehmen ohne auch nur im Ansatz darüber nachzudenken wie man gegen die Ursache vorzugehen gedenkt. Oder hat man zu "Beginn" des digitalen Zeitalters schon kapituliert, sich den Risiken und Nebenwirkungen ergeben?
Auf der einen Seite warnt man vor Fake und steigert auf der anderen Seite die Kapazitäten in Sachen kleiner Helfer wohlwissentlich das man nicht mehr in der Lage ist zwischen real und irreal erkennen zu können.
Das wird ein Spiel mit dem Zufall. Wer nicht klar erkennen kann ob das Vorliegende fiktiv oder real ist setzt sich einer Zufallsgeschichte aus, nach dem Motto mal sehen ob es gut geht!
Man ist unter Umständen zeitaufwendig damit beschäftigt, vorab zu klären "was" man sich hier aussetzt, um dann den kleinen Helfer in Anspruch zu nehmen der einem die Sache vereinfachen oder gar Zeit sparen soll. Wer da nicht erkennen will das da scheinbar was falsch läuft ist vermutlich auch nicht in der Lage die Realität zu erkennen. Oder unterschlägt sich selbst gegenüber die Risiken und Nebenwirkungen
Oder, man fühlt sich in einer gekünstelten, der Realität nachempfundenen Fake Welt wohl, hat gar Spaß daran und ergibt sich dem Zufall.
Schöne neue Welt!
So nebenbei!
Wer heutzutage und auch in der Vergangenheit ein greifbares Produkt an den Kunden bringen will / wollte, durchlief unter Umständen ein mehrjähriges Prozetere in Sachen Prüfung und Bürokratie.
Was allerdings digital, scheinbar ohne jegliche vorangegangene Prüfungsszenarien auf uns losgelassen werden darf, ist verwunderlich.