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Zwei Welten im Main-Kinzig-Kreis: Normalverdiener und Einkommensmillionäre

Zwei Welten im Main-Kinzig-Kreis: Normalverdiener und Einkommensmillionäre

Vor der eigenen Haustür treffen Welten aufeinander: Es gibt 91 Einkommensmillionäre im Main-Kinzig-Kreis. Gleichzeitig haben 94.100 Menschen einen Job – sie arbeiten vor allem im Handwerk, in der Industrie und in der Dienstleistung, um ihr Geld zu verdienen. Damit kommen im Main-Kinzig-Kreis 1.034 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte auf einen Menschen, der ein Einkommen von mindestens einer Million Euro pro Jahr hat. Darauf hat die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) im Main-Kinzig-Kreis hingewiesen. Die NGG Rhein-Main beruft sich dabei auf Zahlen des Hessischen Landesamts für Statistik und der Arbeitsagentur.

„So sieht das Gefälle zwischen Normal- und Spitzenverdienern im Main-Kinzig-Kreis aus. Die einen krempeln die Ärmel hoch, um über die Runden zu kommen. Die anderen verdienen ihr Geld überwiegend an der Börse und mit Unternehmensgewinnen“, sagt Hendrik Hallier. Der Geschäftsführer der NGG Rhein-Main warnt dabei „vor einer zunehmenden sozialen Schieflage im Main-Kinzig-Kreis“. Die Gesellschaft gerate immer mehr aus den Fugen.

„Es geht nicht darum, dass die einen mehr Geld haben als die anderen. Es geht darum, dass wenige im ‚Gold-Statuslevel‘ leben. Und dass immer mehr trotz eines Vollzeitjobs darum kämpfen, genug Geld für Miete, Sprit und Lebensmittel zusammenzubekommen. Von denen, die keine Arbeit haben oder mit Armut im Alter klarkommen müssen, ganz zu schweigen. Das gefährdet am Ende sogar die Demokratie“, sagt Hendrik Hallier.

Der Gewerkschafter appelliert jetzt an die Bundestagsabgeordneten von CDU und SPD aus dem Main-Kinzig-Kreis und der Region, beim anstehenden Reformpaket der Regierungskoalition „sozialen Kurs zu halten“. Hendrik Hallier: „Es geht darum, Menschen, die Tag für Tag arbeiten, nicht noch weiter abzuhängen. Denn sie sind die breite Mehrheit und tragen die Hauptlast: Lohn- und Mehrwertsteuer drücken enorm.“ Erbschaften und Vermögen würden dagegen nur 1,1 Prozent des gesamten Steueraufkommens bringen.

Auf keinen Fall dürfe Arbeit stärker besteuert werden als Kapitaleinkommen – also Zinsen, Dividenden von Aktien oder Kursgewinne beim Verkauf von Wertpapieren. Denn dafür falle meistens pauschal nur eine Abgeltungsteuer von 25 Prozent an. Gerechte Steuern und eine faire Vermögensverteilung seien das A und O der Reformen, die der Bund jetzt anschieben müsse. „Ein Durchschnittspaar zahlt immerhin 43 Prozent Steuern und Abgaben“, sagt Hallier. Das müsse Schwarz-Rot jetzt ändern.

Die heimischen Bundestagsabgeordneten von CDU und SPD müssten jetzt dafür sorgen, dass „die anstehenden Reformen der Bundesregierung bei Steuern, Rente, Gesundheit & Co. die Kluft zwischen Arm und Reich überwinden und nicht noch größer machen“. Dabei dürften eine Vermögenssteuer und ein höherer Spitzensteuersatz keine Tabus sein. Außerdem fordert die NGG Rhein-Main Schwarz-Rot auf, „den Mut zu haben, das Ehegattensplitting abzuschaffen“. Es mache Jobs für Frauen oft unattraktiv und fördere damit überkommene Rollenbilder.

Kommentare

8
Proximo
1 woche vor
Mir ist es vollkommen egal wie viele Millionäre es gibt. Die Kernaufgabe der Gewerkschaften ist in meinen Augen für entsprechend gute Löhne und Gehälter der Mitglieder zu sorgen. Aber daran hapert es seit Jahren. Viel einfacher ist es natürlich von den eigenen Unzulänglichkeiten abzulenken und versuchen Neid zu schüren.
Es gibt viele Gründe warum die Mitgliederzahlen der Gewerkschaften in Deutschland rückläufig und auf dem niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung sind.
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2
Heinz
1 woche vor
Aber wenn der Betriebsmanager im Porsche an einem vorbei rast haben doch alle was davon, dachte ich...
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0
Heck
1 woche vor
Wo wohnt denn diese Tasse?
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15
D.A.
2 wochen vor
Zum Beispiel im öffentlichen Dienst beträgt die Lohnsteigerung im Mai 2,8%
Die Inflationsrate 2,9 % noch Fragen? Danke für nichts!
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16
A.S.
2 wochen vor
Ruf in den leeren Raum!

Als arbeitender Bürger kann man die Worte des Vertreters der Arbeiter eigentlich bedenkenlos unterschreiben.
Ob allerdings der Adressat wirklich Interesse hat die beschriebene Situation zu ändern sei einmal dahingestellt.

Wenn man an oberster Stelle, mit starken Worten, dem Arbeiter schallende Ohrfeigen verpasst, errechnet sich die Erfolgsaussicht gegen Null.

In den Augen einiger Entscheidungsträger sind wir doch nur am Jammern und leben über unsere, von ihnen festgestellten, Verhältnisse.

Auch die Gewerkschaften haben sich über die Jahrzehnte nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert. Lohnverhandlungen, deren Ausgang sich jeder Nichtmathematiker schon im Vorfeld ausrechnen konnte, waren das Ergebnis.
Da sollte sich der Arbeiter freuen das er gefühlt ein paar Euro mehr in der Tasche hatte die man ihm aber postwendend gleich wieder aus der selben nahm.

Zum Apell an die Regierenden.
Erzähle einem Menschen der alle Annehmlichkeiten die er erfahren darf, das man dem der dafür sorgt das es so ist, mehr bieten sollte, mit dem Ergebnis das der Vertreter des Volkes vermutlich auch einmal seinen Beitrag zu leisten hat. Sprich, zum Beispiel selbst verordnete und rechtlich abgesicherte Diätenerhöhungen einmal auf den Prüfstand stellt. Eventuell dahingehend eine Gesetzesänderung initiiert.

Aber da landen wir wieder im leeren Raum.
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