TPL_VORSPRUNG_SKIP_NAV
Keiler Bier

„Lernst Du gerne?“: HOLA plant Neugestaltung des Campus

„Lernst Du gerne?“: HOLA plant Neugestaltung des Campus

Mit der Frage, ob sie gerne lesen, wendet sich Roland Seeger, Leiter der „Forschungsstelle für Spiel- und Freiraumplanung“, an die beteiligten Schülerinnen und Schüler der HOLA-Planungsrunde zur Gestaltung des HOLA-Campus.

VORSPRUNG - Print ist offline!

Diese wurde kürzlich zusammen mit Lehrern und Eltern, sowie einer Vertreterin des schulischen Fördervereins unter der Leitung von Roland Seeger durchgeführt. Seeger, Erziehungswissenschaftler und Gastdozent an der Uni Köln, hat intensiv über die Bedingungen erfolgreichen Lernens geforscht und einen eigenen Ansatz entwickelt, der gewinnbringend in der Gestaltung entsprechender Frei- und Spielflächen angewendet wurde. Die HOLA hat deshalb auch ganz bewusst Roland Seeger ausgewählt, um das große HOLA-Campusgelände entsprechend des eigenen Schulprogrammes so zu entwickeln, damit ein neuer Lernort an der HOLA entsteht, der vielfältig für den Unterricht, das Ganztagsangebot, für Projektarbeit, zur Unterstützung der Profilangebote „Ästhetische Bildung“ und „Sport“ und zur Regeneration in Pausen und Freistunden angelegt ist.

Gerne zu lernen hängt eng mit den Rahmenbedingungen des Lernorts zusammen. Ein Ankommen in einem ästhetisch gestalteten Arbeitsbereich, ein Aufenthalt in einer alle Sinne ansprechenden Umgebung bewirkt eine positive Grundstimmung, die Aufnahmebereitschaft und Arbeitsverhalten fördert. Sie trägt wesentlich dazu bei, dass die Schulgemeinde gern in ihrer Schule ankommt, gerne dort lernt und arbeitet. Eine einfache Weisheit, die jeder nachvollziehen kann, der freiwillig mit zeitlichem und finanziellem Aufwand in immer wiederkehrenden Abständen seine Umgebung renoviert, um sich dort wohlzufühlen.

Ein forderndes und förderndes Lehrangebot sowie schließlich ein gewisses Maß an Bewegung führen zu einem erfolgreichen Lernen. Diese Bedingungen lassen sich laut Roland Seeger am besten in naturnah angelegten Bereichen erfüllen. Sie ermöglichen ein entdeckendes und experimentelles Lernen, wie es von Schülerinnen und Schülern favorisiert wird. Das kann z. B. in einer wissenschaftlichen Langzeitstudie exemplarisch an der Beobachtung von Zersetzungsprozessen heimischer Gehölze stattfinden oder über Beobachtungen und Entwicklungen, wie sie auch der Fachbereich Bionik nutzt. Die weitläufigen Flächen des HOLA-Campusgeländes präsentieren eine Artenvielfalt in Fauna und Flora, deren Beobachtung jedem Holaner einen reichhaltigen Fundus an biologischen Erkenntnissen ermöglicht. Vertraut werden mit der Natur, biologische Prozesse zu verstehen, ihre Bedeutung zu kennen, Einblick in nachhaltigen Umgang mit dieser Ressource zu gewinnen ist ein Ziel. Dazu sind entsprechende Sitz- und Arbeitsbereiche auf dem Campusgelände zu schaffen. Diese sollen auch für andere Fächer interessant sein, wie z. B. Kunst und Theater oder für Unterricht, der bewusst mal nicht im Klassenzimmer stattfindet.

Draußen sitzen und arbeiten zu können, nicht immer im Gebäude zu sein, war ein häufig geäußerter Wunsch der Schülerschaft. Dies wird auch als Rückzugsmöglichkeit verstanden, getrennt vom Lärm der großen Schulgemeinde auf dem Außengelände regenerieren und kommunizieren zu können. Sogar bei Regen würden Holaner gern das Schulgebäude verlassen und einen geschützten Raum im grünen Gürtel der HOLA haben. Anregend waren in diesem Zusammenhang Schülerarbeiten eines Kunst-Grundkurses von Martina Bernasko, in denen solche Freiräume in Modellen erarbeitet worden waren und die der Planerrunde zur Verfügung standen.

Offensichtlich erfährt das Campusgelände in der Schulgemeinschaft eine größere Wertschätzung als vermutet, wenn Schülerinnen und Schüler für so eine vielfältige Nutzung plädieren. Trotzdem gibt es auch etliche triste Bereiche, die dringend einer Renovierung, einer Neugestaltung bedürfen. Vorschläge der Schülerinnen und Schüler wurden zusammen mit Roland Seeger konkret vor Ort besprochen und im Gespräch wurden geeignete Lösungsvorschläge entwickelt. Besonders die Transformation des grauen Bereichs vor der Mensa in eine kommunikative Plaza löste viel Begeisterung aus.

Aber auch ein breites Bewegungsangebot soll auf dem Campusgelände entwickelt werden. Dabei wurde deutlich, dass Schülerinnen und Schüler keine Geräte wünschen, die an einen Spielplatz erinnern könnten, sondern naturnahe, multifunktional nutzbare Angebote, die altersgerecht unterschiedliche Fähigkeiten und Fertigkeiten erfordern. Bewegungsangebote haben nur dann einen Aufforderungscharakter, wenn sie ein experimentelles, vielfältiges Bewegen für Einzelne und auch für Gruppen ermöglichen. Aber auch die traditionellen Ballsportarten wie Basketball, Fußball und Beachvolleyball sollen fester Bestandteil des Campusangebotes sein. Denn schon jetzt zeugt das Pausenverhalten in diesen Bereichen von einem großen Andrang.

Da Bewegung gleichzeitig die Gesundheit stabilisiert, Ausgleich zum vielen Sitzen ist und nachweislich das Lernen fördert, soll dem Wunsch der Schülerschaft nach einem breiten Bewegungsangebot auch hinreichend Raum gegeben werden.

Die Ideen und Anregungen, die in dieser gemeinsamen Planerrunde entstanden sind, bilden die Grundlage für einen HOLA-Campusplan, den die „Forschungsstelle für Spiel- und Freiraumflächen“ in den nächsten Wochen erstellen wird. Damit werden Ideen konkret und umsetzbar, die Vision vom neu gestalteten Campus bleibt nicht länger Vision, sondern sie nimmt Gestalt an.

Wichtige Unterstützung für die Campusplanung erhält die HOLA durch die Stadt, die trotz angespannter finanzieller Situation im Schuljahr 2012/2013 Unterstützung vor allem in finanzieller, aber auch in organisatorischer Weise zugesichert hat. Allerdings wird von der Schulgemeinschaft auch ein Eigenanteil erwartet.

Der Förderverein der HOLA, die Freunde und Förderer, haben den Prozess der Campusgestaltung von Anfang an begleitet, die Bereitschaft des Fördervereins zur Abwicklung der geschäftlichen Seite und großzügige finanzielle Unterstützung waren auch für die Stadt als Schulträger ein wichtiges, positives Signal.

Der erste Schritt zum Eigenbeitrag war der HOLA-Spendenlauf zu Gunsten der Campusgestaltung, der als Auftakt des Schulfestes durchgeführt wurde. Mit viel Begeisterung haben sich viele Klassen-, Kurs- und Lehrerteams aktiv an diesem Rennen beteiligt, angefeuert von Mitschülern und Lehrern. Unterstützt wurde die Schulgemeinde auch durch die Johann-Hinrich-Wichern-Schule in Nidderau, die ebenfalls ein Team gestellt hat und für die HOLA mitgelaufen ist.

Mögen Einnahmen aus diesem Sponsorenlauf für ein solches Großprojekt auch wie ein Tropfen auf den heißen Stein erscheinen, zeigen sie auf jeden Fall, dass in der Schulgemeinschaft eine hohe Bereitschaft, sich für die Neugestaltung des Campus einzusetzen, vorhanden ist. Der Stein ist ins Rollen gekommen, die Holaner halten ihn in Bewegung.

Foto: Das Foto zeigt den bisherigen HOLA-Campus mit Blick zum Haupteingang.

Artikel teilen: Teilen Tweeten Teilen
Ihnen ist etwas Interessantes aufgefallen im Main-Kinzig-Kreis? Schreiben Sie uns an info@vorsprung-online.de
Zeig dein Herz und spendiere der Redaktion einen Kaffee! Jede Unterstützung hilft uns, weiterhin unabhängig aus der Region zu berichten.
☕ Kaffee spendieren
Interkulturelle Wochen im Main-Kinzig-Kreis