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Mit dem Rad von Deutschland nach Polen

Mit dem Rad von Deutschland nach Polen

Eine 17-köpfige Gruppe Europaschüler der Otto-Hahn-Schule hielt sich Ende Juni für eine Woche auf der deutsch polnischen Ostseeinsel Usedom auf.

Interkulturelle Wochen im Main-Kinzig-Kreis

usedomgroschusedomgrosch1Die Anreise erfolgte allerdings mit dem ICE, der die Fahrtzeit in einem erträglichen Rahmen hielt. Aber sieben Stunden kommen schon zustande. Die Räder gab es dann erst auf der Insel, von der Jugendbegegnungstätte Golm bereit gestellt.  Was früher geteilt war, ist heute in Europa geeint. Was früher unmöglich war, ist heute ein Leichtes: der Grenzübertritt nach Polen. Sei es mit dem Auto, dem Bus, zu Fuß oder eben mit dem Rad. Ein kleines Bächlein bildet die Grenzlinie. Kein Hindernis mehr. Eine einfache Holzbrücke schafft die Völkerverbindung. Die jeweiligen Nationalflaggen markieren für jeden deutlich sichtbar das jeweilige Staatsgebiet: Friedliche Begegnungen jederzeit möglich, Grenzschmuggel oder Grenzverletzungen unnötig.

Diesem Verlauf der Geschichte von kriegerischen Katastrophen bis zur heutigen gelebten Nachbarschaft waren die jungen Leute der OHS auf der Spur. Vorbereitet, organisiert und begleitet wurden sie auf der Exkursion von ihrem Geschichtslehrer Adrian Grosch. Er hat starke familiäre Verbindungen nach Polen, kennt sich entsprechend aus und spricht das Polnische flüssig. Das machte den Aufenthalt völlig unproblematisch: Verständigung auf und mit beiden Seiten. Begegnungen mit polnischen Jugendlichen zählten ebenso zu den Programmpunkten wie touristische Sehenswürdigkeiten, dem HTM, der sog. Heeresversuchsanstalt des sog. Dritten Reiches oder dem Seebad Ahlbeck. Wichtig war vor allem die Erinnerung an die politische Vergangenheit der Insel. Am 12. März 1945, acht Wochen vor Kriegsende, hatte die amerikanische Air Force von England aus einen verheerenden Luftangriff geflogen. Die damalige deutsche Hafenstadt Swinemünde war fast vollständig zerstört worden. Die Opferzahl hatte sich drastisch erhöht, weil viele Kriegsflüchtlinge vor dem Angriff Schutz in der Stadt gesucht hatten. Unter den Toten befanden sich besonders viele Mitglieder der Hitlerjugend.

Die waren in die Stadt befohlen worden, um in den Kriegswirren Ordnungsdienste zu leisten. Gefunden haben die Kinder und Jugendlichen den grausamen Tod. Heute erinnern Mahnmale und ein riesiger Kriegsgräberfriedhof an die schrecklichen Ereignisse. Begraben sind auf dem Golm Opfer aus vielen europäischen Staaten: Männer, Frauen und Kinder. Große Anerkennung ist dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e V. zu zollen, der sich weltweit um die Gräberpflege und Erinnerungskultur kümmert. Das gilt auch der Stiftung Gedenken und Frieden. Im Namen der Schulgemeinde bedankt sich Projektgruppe für die finanzielle Unterstützung der Fahrt. Der VdK bietet Interessierten die Möglichkeit, ehrenamtlich für seine Arbeiten eingesetzt zu werden. Viele junge Menschen haben das schon getan. Auch die Studienfahrt trägt zu dieser Erinnerungskultur bei. Friede und Völkerverständigung ist das, was für eine Europaschule ein besonderes Anliegen ist.

Foto: Mit dem Rad von Deutschland nach Polen: Grenzwechsel auf Usedom.

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