„Angesichts der weiterhin angespannten Pandemielage und einem Anstieg der insbesondere unter den jungen Menschen grassierenden Virusmutanten fanden wir das mal eine vernünftige Entscheidung“, kommentiert Engels die bisherige Haltung des Ministers. Nur leider war diese von nur äußerst kurzer Halbwertszeit. Bereits wenige Tage später sehen die Pläne des Ministers und damit die Situation für die Schulen schon wieder völlig anders aus. Nun sollen alle Schülerinnen und Schüler noch vor den Osterferien wenigstens tageweise zurück kommen. „Wir wurden von den neuen Plänen völlig überrascht und müssen jetzt wieder auf hau-ruck eine Planung aus dem Ärmel schütteln, die am Ende viel Arbeit macht, aber niemandem gerecht wird“, beklagt Christina Hotz. Das ganze Unterfangen bereitet den Schulleitungen und Lehrkräften große Sorgen und bedeutet eine immense zusätzliche Arbeit, die zudem aus schulischer Perspektive keinen Sinn mache. „Wer hat denn etwas davon, als sich auf den letzten Metern vor den Ferien noch in der Schule mit dem Virus anzustecken?“, fragt Jörg Engels.
Wenn die Schulen jetzt weiter im Minimalbetrieb blieben und die Zeit bis nach Ostern abgewartet werde, gewinne man einen ganzen Monat, in dem geimpft, getestet und das Virus eventuell auch durch den einsetzenden Frühling geschwächt werde. Aber so vernünftig denke und handle man im Kultusministerium scheinbar nicht. Besonderen Anstoß nimmt Jörg Engels an der Begründung des Ministers: Die Schulen öffneten weiter auf Wunsch von Lehrern, Eltern und Schülern. „Also ich kenne niemanden, der diesen Wunsch im konkreten Bezug auf eine Kurzzeitöffnung noch vor Ostern geäußert hat. Und als Gewerkschafter stehe ich auch mit Vertretern aus Schüler- und Elternschaft in Kontakt“. Auch die Begründung, den Schülern solle die Möglichkeit gegeben werden, sich wieder an den Schulbesuch zu gewöhnen, verärgert vor Ort. „Wir werden an unserer Schule sehr von der Entscheidung aus Wiesbaden frustriert, weil der Online-Unterricht eigentlich sehr gut läuft. Das spiegeln uns auch unsere Schüler*innen und deren Eltern. Aber wenn die Schulen weiter geöffnet werden, werden wir immer mit allen anderen über den gleichen Kamm geschoren“, beschwert sich Christina Hotz. Sicher sei die Situation nicht an allen Schulen so gut wie an der AES. Das liege aber sicherlich am wenigsten an den dortigen Kolleginnen und Kollegen. Man habe an dem Maintaler Gymnasium einfach eine sehr gute Ausstattung, weil man sich schon lange vor der Pandemie auf den Weg der Digitalisierung begeben habe. „Wir erreichen unsere Schülerinnen und Schüler, sie müssen sich nicht wieder an Schule gewöhnen, weil wir sie täglich nach Stundenplan unterrichten“, so die Lehrerin und Personalrätin.
Vor diesem Hintergrund fehle an der Schule und sicher nicht nur dort jedes Verständnis dafür, weitere Risiken einzugehen. Zwar spreche der Kultusminister von einem Inzidenzwert größer 100, der einer weiteren Schulöffnung noch im Wege stehen könne, allerdings landesweit. „Was nutzt es, wenn irgendwo die Inzidenz bei 25 liegt und mit der anderer Kreise verrechnet wird? Hier ganz konkret im Main-Kinzig-Kreis hat die Inzidenz längst wieder die 100 überschritten und in Hanau steht man kurz vor der 150“, beklagen die beiden Gewerkschaftsvertreter. Noch dazu stocke aktuell die Impfkampagne und trotz der Zusage des Ministers, nach Ostern auch den Lehrkräften an weiterführenden Schulen eine Impfung zu ermöglichen, stehe diese in den Sternen. „Weihnachten ist auch ‚nach Ostern’ und so lange bleiben wir den unwägbaren Risiken ausgesetzt und geben dem Virus weitere Chancen sich auszubreiten“, beklagt Christina Hotz. Zudem sorge man sich um das nach den Ferien beginnende schriftliche Abitur und stelle sich die Frage, ob das Ministerium sich darüber im Klaren sei, durch seine unbedachten Pläne dessen Durchführung zu gefährden.
Aus diesen Gründen habe man sich im schulischen Personalrat dazu entschieden, sich mit einem Appell, die Schulen bis zu den Osterferien nicht weiter zu öffnen, direkt an die Verantwortlichen vor Ort, insbesondere das Gesundheitsamt in Gelnhausen und das Schulamt in Hanau, zu wenden. „Wir sind nicht gegen eine weitere Schulöffnung“, so Jörg Engels, „so lange sie besonnen, verantwortbar und auch sinnvoll ist. Jetzt bleibt unsere Hoffnung, dass die Verantwortlichen vor Ort angesichts der Zahlen hier noch eingreifen und eine weitere Öffnung ‚per Notbremse‘ verhindern.“


