TPL_VORSPRUNG_SKIP_NAV
Keiler Bier

VVN-BdA Main-Kinzig trauert um Günter Pappenheim

VVN-BdA Main-Kinzig trauert um Günter Pappenheim

"Mit großer Trauer müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass sich der Lebenskreis von Günter Pappenheim am 31. März 2021 geschlossen hat", teilt die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) im Main-Kinzig-Kreis in einer Pressemitteilung mit.

Und weiter: "Unsere Gedanken sind bei seiner Frau Margot, seiner Tochter Gudrun und den Angehörigen, an deren Trauer wir ergriffen Anteil nehmen. Mit Günter Pappenheim starb der letzte lebende deutsche politische ehemalige Häftling des Konzentrationslagers Buchenwald. Für uns war er Weggefährte, Freund, Ratgeber, dessen Leben vom Buchenwaldschwur geprägt war und der beispielhaft getreu dem Vermächtnis des antifaschistischen Widerstands handelte. Bis ins hohe Alter von 95 Jahren hat sich Günter Pappenheim stets jungen Menschen zugewandt, um aus seinem reichen Erfahrungsschatz Wissen um historische Zusammenhänge zu vermitteln und mit dem Verlauf des eigenen Lebens zu belegen. Dass es zu einer Welt des Friedens und der Freiheit für das menschliche Leben keine Alternative gibt, war seine Grundüberzeugung, für die er stets konsequent eintrat. Ebenso war er zutiefst davon überzeugt, dass solidarisches Handeln und von Vertrauen getragenes menschliches Miteinander Voraussetzungen für das Leben in Frieden und Freiheit sind. Ein Jahr, nachdem den deutschen Faschisten die Macht übertragen worden war, verloren Günter und seine Geschwister den Vater und die Mutter ihren Mann. Ludwig Pappenheim war ein geschätzter sozialdemokratischer Kommunalpolitiker und entschiedener Gegner der Nazis. Bereits 1933 kam er in so genannte Schutzhaft und im Januar 1934 wurde er im KZ Neusustrum ermordet. Die Familie war fortan mittellos und der Verfolgung ausgesetzt.

Weil Günter Pappenheim in dem Betrieb, in dem er als Schlosser arbeitete,  französischen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern an ihrem Nationalfeiertag die Marseillaise auf seiner Ziehharmonika spielte, sei er denunziert, von der Gestapo verhaftet, verhört und im Gefängnis misshandelt worden. "Seit dem 15. Oktober 1944 war er der politische Häftling Nummer 22514 im Konzentrationslager Buchenwald. Hier erfuhr er Solidarität von Häftlingen, die Weggefährten seines Vaters gewesen waren und die wesentlich dazu beitrugen, dass er überleben konnte. Als Überlebender leistete er am 19. April 1945 auf dem Appellplatz des befreiten KZ den Schwur von Buchenwald, der sein weiteres Leben bestimmte. Am Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit nahm Günter Pappenheim begeistert teil. Er konnte eine Familie gründen. 1990 ging Günter Pappenheim in den Ruhestand und widmete sich mit seinen Erfahrungen, Kenntnissen und Fähigkeiten im Kreise seiner Kameraden der Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora der aktiven Bewahrung des Vermächtnisses des antifaschistischen Widerstands. Er wurde 2001 Erster Vizepräsident des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora und Kommandos. Vorsitzender der Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora wurde er 2005. Vielfältige Ehrungen sind Würdigung seines unermüdlichen antifaschistischen Engagements. Die Lücke, die der Tod in unsere Reihen gerissen hat, ist nicht zu füllen, der Verlust ist groß. In unserem Gedächtnis werden wir die Erinnerung an den aktiven, aufrechten Antifaschisten, Freund, Genossen bewahren. Das Vermächtnis Günter Pappenheims zu wahren, ist uns Ehre und Verpflichtung", so der Vorsitzende Horst Koch-Panzner.

Zeig dein Herz und spendiere der Redaktion einen Kaffee! Jede Unterstützung hilft uns, weiterhin unabhängig aus der Region zu berichten.
☕ Kaffee spendieren
Artikel teilen: Teilen Tweeten Teilen
Ihnen ist etwas Interessantes aufgefallen im Main-Kinzig-Kreis? Schreiben Sie uns an info@vorsprung-online.de
Interkulturelle Wochen im Main-Kinzig-Kreis