Turn- und Sportvereine im MKK melden fast 5.000 Austritte

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Vier Vereine weniger im Sportkreis Main-Kinzig e.V. und insgesamt 4.809 Austritte in den heimischen Turn- und Sportvereinen im Corona-Jahr 2020. Vor allem bei den Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahren ist ein Rückgang von fast 10 Prozent im Main-Kinzig-Kreis zu verzeichnen. Größter Verein bleibt der Deutsche Alpenverein Sektion Hanau e.V. mit 4.417 Mitgliedern.

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Den Turn- und Sportvereinen im Main-Kinzig-Kreis hat Corona zugesetzt. Das dokumentiert die neuste Bestandserhebung des Landessportbundes Hessen (Stand: 01. Januar 2021). Der Rückgang der Mitgliederzahlen um 3,8 Prozent ist so heftig wie in den zurückliegenden Jahren noch nie. Allerdings: Der Sportkreis Main-Kinzig liegt damit im Hessen-Trend. Die Zahl der, in einem Sportverein angemeldeten Mitglieder sank um rund 4.800. Insgesamt sind im Main-Kinzig-Kreis somit 128.158 Mitglieder in 555 Vereinen sportlich aktiv.

Ein genauer Blick in die Statistik offenbart, dass es vor allem die fehlenden Eintritte sind, die die Zahlen negativ beeinflußen. Sportkreis-Vorsitzende Stefan Bahn erläutert, dass „die Mitglieder im vergangenen Jahr nicht vermehrt Kündigungen abgeben haben, sondern es kämen keine Neuzugänge in die Vereine, welche normalerweise die normale Fluktuation kompensieren. Wir steuern durch den Lockdown auf einen dramatischen Bewegungsmangel zu, aktuell werden die Kranken von morgen produziert!“

Die Situation in den Sportvereinen sieht Bahn auch für das aktuelle Jahr äußerst besorgniserregend. „Inzwischen brennt die Hütte! 2020 hatten die Sportvereine noch alles halbwegs im Griff. Aufgrund des fortgesetzten Lockdowns verlieren die Sportvereine immer mehr langjährige Mitglieder. Es ist zu befürchten, dass der Mitgliederrückgang in 2021 noch stärker ausfällt als im vergangenen Jahr.“ Auch auch der Rückgang der ehrenamtlichen Helfer in den Sportvereinen wird den Vereinen langfristig Sorgen bereiten. „Der Breitensport lebt vom ehrenamtlichen Engagement ! Hier benötigen die Vereine Hilfe in der Rückgewinnung von Ehrenamtlern“, fordert Bahn.

Des Weiteren gibt es durch die Kontaktbeschränkungen vermehrt Portale, welche sich zum ernsthaften Mitbewerber des organisierten Sports herauskristallisiert haben. „Über Jahre waren die Fitnessstudios die Rivalen der Sportvereine. In Pandemiezeiten konnten sich Portale, wie z.B. Peleton, oder Running-Apps etablieren. Im Vergleich zum Sportverein fördern diese allerdings keine sozialen Kontakte. Auch sind diese Sportportale wohl kaum geeignet, die Bewegungs- und Trainingsdefizite bei Kindern und Jugendlichen aufzufangen. Hier sind weiterhin die Sportvereine der erste Ansprechpartner und ein wesentlicher Baustein in der Gesellschaft. Die soziale Kompetenz liegt hier eindeutig beim Sportverein!“

Sportvereine verlieren vor allem Kinder und Jugendliche

Die größte Sorge bereitet dem Sportkreis-Vorsitzenden der Rückgang im Kinder- und Jugendbereich. „9,6 Prozent weniger in der Altergruppe bis 18 Jahre, da wird uns ein ganzer Jahrgang fehlen, welcher eigentlich zum Turnen oder Schwimmen geht“, ist sich Stefan Bahn sicher. „Dieses Fehlen wird wahrscheinlich erst in 5 bis 10 Jahren ins Gewicht fallen, wenn es um die Medaillen bei sportlichen Großveranstaltungen geht. Aktuell kann dies noch gar nicht eingeschätzt werden.“ Der immense Bewegungsmangel in dieser Altersklasse durch den anhaltenden Lockdown sieht Bahn als ein negativer Faktor für die Zukunft. „Auch die sozialen Kompetenzen, welche in den Vereinen vermittelt werden, bleiben bei den Kindern und Jugendlichen auf der Strecke. Natürlich bleibt die Hoffnung, dass sich bei einer Normalisierung des Sportbetriebs auch wieder mehr Kinder und Jugendliche in die Vereine kommen, aber die Defizite müssten dann erstmal von den Vereinen aufgefangen werden. Es wird dennoch erstmal eine Lücke bleiben, welche nur durch eine enorme Kraftanstrengung der ehrenamtlichen Basis in den Vereinen zu schliessen sein wird. Hier sind in den kommenden Monaten gemeinsam mit den Verantwortlichen kreative Ideen gefragt, die Kinder und Jugendlichen für das Sporttreiben und die Mitgliedschaft in einem Verein zu motivieren.“

Problem: Keine Sportangebote im Verein – keine Eintritte

Massive Austritte sind vor allem bei den Vereinen mit mehr als 1.000 Mitgliedern zu verzeichnen. Die Turngemeinde Hanau verliert 17 Prozent und die Turn- und Sportgemeinde Erlensee 11 Prozent ihrer Mitglieder in einem Jahr. Bei der Turngemeinde Hanau ist die Mitgliederzahl erstmals seit langer Zeit wieder unter 3.000 gesunken. „Die Mitglieder kündigen nicht unbedingt vermehrt“, so Stefan Bahn, „es kommen einfach keine Neuzugänge wie sonst hinzu. Durch den Wegfall der Sportangebote ist die Bereitschaft, sich in einem Sportverein anzumelden, natürlich stark gesunken.“

Bei den größeren Vereinen zeichnet sich zudem eine höhere Fluktuation ab, da die Vereinstreue tendenziell etwas schwächer ausfällt, als es in kleineren und ländlicheren Vereinen zu beobachten ist. Eine Erholung von diesem Mitgliederschwund wird nach Einschätzung des Sportkreis-Vorsitzenden länger andauern. „Es hängt alles davon ab, wie lange es noch dauert, bis die Vereine wieder ihre Angebote uneingeschränkt durchführen können. Die Sportvereine leben von ihren Mitgliedern; nicht nur wegen dem monatlichen Vereinsbeitrag.“

Vor allem Mannschafts- und Kontaktsportarten sind betroffen

Durch massive Rückgänge betroffen sind vor allem die Mannschaftssportarten wie Fußball, Basketball oder Handball, aber auch Indoor-Sportarten wie Turnen und Schwimmen. Je mehr die Sportarten draußen stattfinden konnten und auch durch die Kontaktbeschränkungen nicht komplett verboten waren, wie z.B. Tennis und Tanzen, desto geringer sind die Rückgänge bzw. sind vereinzelte Neumitglieder zu begrüßen.

Und noch ein weiteres Problem stellt sich in den Mannschaftssportarten: Bereits die Abkehr von zwei, drei Spielerinnen oder Spielern führt dazu, dass ganze Teams verschwinden, weil der Kader plötzlich zu klein ist. Mannschaften müssen vom Spielbetrieb abgemeldet werden, wenn nicht genügend Kinder und Jugendliche diese Sportart auch in Zukunft ausüben.

Turnen ist weiterhin die Sportart mit den meisten Mitgliedern im Main-Kinzig-Kreis. Allerdings ist auch hier die Mitgliederzahl stark rückläufig gewesen. Anfang 2020 waren es noch 39.914 Mitglieder, ein Jahr später nur noch 37.311. Einen vergleichsweise moderaten Rückgang gab es bei der zweitgrößten Sportart, dem Fußball. Hier sank die Mitgliederzahl von 31.843 auf 30.816. Ein Plus gab es bei der drittgrößten Sportart im Main-Kinzig-Kreis, dem Tennis. Von 7.782 Mitglieder Anfang 2020 wuchs die Zahl auf 7.935 Mitglieder Anfang 2021.

Massive Folgen auch langfristig zu erwarten

Bedingt durch den Mitglieder-Rückgang drohen langfristig durch die Corona-Pandemie massive Folgen, wenn nämlich die Vereine nicht genügend Spieler*innen vor allem in den jüngeren Jahrgängen dazugewinnen können. Stefan Bahn ist sich sicher, „dass wir dieses Fehlen im Spitzensport erst in 10 bis 15 Jahren merken, wenn es bei EM, WM und Olympia um Medaillen geht. Ganze Jahrgänge sind durch die Pandemie nicht mehr bzw. nur noch schwer durch die Sportvereine zu erreichen.“ Vor allem im Schwimmen wird es eine dramatische Entwicklung geben. „Die Pandemie und geschlossene Bäder verschlimmern die Nichtschwimmer-Problematik erheblich. Zwei Jahrgänge ohne schwimmerische Ausbildung in Schule und Verein, das sind die Badetoten von morgen“, so Bahn weiter.


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