Bei der Bilanzpressekonferenz erklärte der Aufsichtsratsvorsitzende Dr. André Kavai, dass ein Fehlbetrag von 458.000 Euro in den Büchern steht. Die Gründe dafür lieferte er gleich mit: Hohe Investitionen in die Infrastruktur der beiden Krankenhäuser in Gelnhausen und Schlüchtern sowie ein gesetzlich vorgeschriebener Preisdeckel, der sich nicht an den tatsächlichen Kosten einer Klinik orientiere und nun schon im dritten Jahr in Folge die Krankenhäuser massiv in ihrer Wirtschaftlichkeit beschneide.
„Seit gefühlten Jahrzehnten“, schließen die Main-Kinzig-Kliniken laut Geschäftsführer Dieter Bartsch wieder mit einem Minus ab, allerdings erwartet er anscheinend nicht, dass das Unternehmen in Zukunft noch tiefer in die roten Zahlen rutscht. Nach dem die Patientenzahl im Vorjahr um 4.000 auf 90.000 gestiegen ist, sei jetzt schon absehbar, dass 2013 noch mehr Bürgerinnen und Bürger an den beiden Standorten behandelt werden. Befragungen einer Krankenkasse hätten gegeben, dass 85 Prozent der Patienten das Gelnhäuser Krankenhaus weiterempfehlen würden, in Schlüchtern seien es sogar 88 Prozent. „Wir sind qualitativ und wirtschaftlich gut aufgestellt“, soll laut Bartsch der gute Ruf der Kliniken auch deren Eigenständigkeit in Zukunft sichern.
Der Fehlbetrag erkläre sich daher hauptsächlich aus einem Anstieg der Kosten für Personal und Energie und eine fehlende adäquate Gegenfinanzierung. „Wir brauchen eine zukunftssichernde Krankenhausfinanzierung“, erwartet Kavai, dass die Preisdeckelung, die 2010 zur Sanierung der Krankenkassen eingeführt wurde, aufgehoben wird. „Sollte dies nicht der Fall sein, wird es entsprechenden Druck geben“, könne es auf Dauer nicht funktionieren, wenn die Kosten um bis zu vier Prozent ansteigen und die Krankenhäuser ihre Preise um nicht einmal ein Prozent angepasst werden dürften.
Um die Qualität der Leistungen in den Main-Kinzig-Klinken weiter zu verbessern, sollen die regionale Vernetzung und überregionalen Kooperationen weiter verstärkt werden. Seit Oktober 2012 gehören die beiden Häuser einem Verbund von 42 kommunalen Kliniken an („Clinotel“), die voneinander lernen und so innovativer und leistungsfähiger werden wollen. Auch die Zusammenarbeit mit den heimischen Hausärzten und regionalen Spezialkliniken soll weiter ausgebaut werden. Und die Main-Kinzig-Kliniken wollen auch selbst einen Beitrag zur ärztlichen Versorgung auf dem Land beitragen: Laut Bartsch werden derzeit neun Mediziner zu Hausärzten ausgebildet.
Der Umsatz der Main-Kinzig-Kliniken steigerte sich im Jahr 2012 um sechs auf 151,2 Millionen Euro. Hauptstandort bleibt Gelnhausen, wo zwei Drittel der knapp 2.000 Mitarbeiter beschäftigt sind. Diese Zahl blieb genauso wie die Anzahl der Geburten (1424) nahezu konstant. Von den 90.000 Patienten wurde ein Drittel stationär behandelt, über 22.000 davon allein in Gelnhausen. In Schlüchtern wurden im vergangenen Jahr 26.500 Patienten behandelt, 8.000 davon stationär. In den beiden Krankenhäusern der Main-Kinzig-Kliniken, die insgesamt über 700 Betten verfügen, arbeiten zirka 150 Ärzte und 210 Auszubildende.



