Ziel sei es, die wirtschaftliche Situation aus eigener Kraft zu stabilisieren und die beiden Krankenhausstandorte Gelnhausen und Schlüchtern langfristig zu sichern und zukunftsfähig weiterzuentwickeln.
„Es dürfte niemandem entgangen sein, dass sich die Krankenhauslandschaft derzeit grundlegend verändert. Die Negativbeispiele von Krankenhausschließungen oder Leistungsabbau in unserer Nachbarschaft – etwa in Büdingen oder Alzenau – zeigen, wie nah diese Entwicklungen auch an unsere Region heranrücken. Genau das wollen wir für den Main-Kinzig-Kreis verhindern und durch gezielte Investitionen in Gelnhausen und Schlüchtern Verantwortung für die medizinische und pflegerische Versorgung der Region übernehmen“, betont Landrat und Aufsichtsratsvorsitzender der Main-Kinzig-Kliniken, Thorsten Stolz (SPD).
Transparenz und Verantwortung als Leitlinien
Die Geschäftsführung der Main-Kinzig-Kliniken setze bei diesem Prozess bewusst auf Transparenz und einen offenen Dialog mit Belegschaft, Politik und Öffentlichkeit. „Die Kliniken stehen vor großen Herausforderungen. Unser Anspruch ist es, die wirtschaftliche Situation realistisch darzustellen, gleichzeitig aber auch Perspektiven und konkrete Lösungsansätze aufzuzeigen“, erklärt Geschäftsführer Christian Quack. Sämtliche Maßnahmen seien darauf ausgerichtet, im engen Schulterschluss mit dem Main-Kinzig-Kreis beide Standorte dauerhaft zu erhalten. Besonders herausfordernd wirke sich aus, dass die im Rahmen der Krankenhausreform angekündigten finanziellen Unterstützungen bislang nur teilweise realisiert worden seien. Vor diesem Hintergrund habe der Aufsichtsrat der Main-Kinzig-Kliniken bereits im Jahr 2023 den klaren Auftrag erteilt, Maßnahmen zur wirtschaftlichen Stabilisierung einzuleiten und nachhaltig abzusichern.
Erste Erfolge der Neuausrichtung
Die Neuausrichtung der Main-Kinzig-Kliniken sei ein zentraler Baustein zur Sicherstellung der wohnortnahen medizinischen Versorgung im gesamten Kreisgebiet: "Bereits im vergangenen Jahr wurde ein umfassender Reorganisationsprozess gestartet, der zahlreiche strukturelle Anpassungen und Projekte umfasst. Die eingeleiteten Maßnahmen zeigen bereits Wirkung: So konnte das jährliche Defizit von circa 13 Millionen Euro im Jahr 2023 bis zum Jahr 2025 auf etwa 7 Millionen Euro deutlich reduziert werden. Diese Entwicklung unterstreicht, dass der eingeschlagene Konsolidierungskurs greift und eine tragfähige Perspektive eröffnet."
Gezielte Konsolidierung bei gleichzeitiger Stärkung der Versorgung
Im Rahmen der wirtschaftlichen Neuausrichtung setzen die Main-Kinzig-Kliniken demnach unter anderem auf neue Prozessstrukturen, eine gezielte Kostensteuerung im Einkauf sowie eine Reorganisation der Verwaltungsbereiche. Parallel werde ein gezielter Leistungszuwachs angestrebt, um zusätzliche Erlöse zu generieren. „Als kommunales Gesundheitsunternehmen tragen wir eine besondere Verantwortung – sowohl für die medizinische Versorgung als auch für den sorgsamen Umgang mit öffentlichen Mitteln. Deshalb nutzen wir konsequent alle Potenziale auf der Aufwands- und Ertragsseite“, so Christian Quack. Gleichzeitig würden die Kliniken gezielt in den Personalaufbau investieren: "Seit 2024 wurden mehr als 120 zusätzliche Vollzeitstellen geschaffen, davon rund 100 in der Pflege. Damit werden Versorgungskapazitäten ausgebaut und die Behandlungsqualität nachhaltig gesichert."
Strategische Investitionen und medizinische Weiterentwicklung
Ein zentraler Bestandteil der Zukunftsstrategie seien umfangreiche Investitionen in Infrastruktur, Medizintechnik und Versorgungsangebote: "Dazu zählen unter anderem die Integration des bis Februar 2025 insolventen Medizinischen Versorgungszentrums in Großkrotzenburg zur Stärkung der ambulanten Versorgung sowie die Übernahme der gynäkologischen Praxis Dr. Sumpf in Gelnhausen inklusive eines KV-Sitzes zum 1. Oktober 2025. Darüber hinaus werden die Kinderklinik renoviert sowie die Zentrale Notaufnahme, die Patientenadministration und das Labor modernisiert. Im Bereich der Medizintechnik wurde das neue CT im Dezember 2025 in Betrieb genommen und es ist ebenso ein neues MRT-Gerät vorgesehen; ergänzend wurde eine Machbarkeitsanalyse zur Einrichtung eines MRTs am Standort Schlüchtern durchgeführt. Zudem werden die Intensivkapazitäten in Schlüchtern und die Intermediate-Care-Einheit in Gelnhausen erweitert. Auch die Speiseversorgung wird durch die Umstellung auf Frischeprodukte im gesamten Sortiment weiter verbessert", heißt es weiter aus dem Unternehmen.
Investitionen mit regionalem Fokus
Für das Jahr 2026 seien an beiden Klinikstandorten Investitionen in Höhe von insgesamt circa 19 Millionen Euro geplant: "Am Standort Gelnhausen sind Investitionen von etwa 13 Millionen Euro vorgesehen. Ein Schwerpunkt liegt hier auf dem Ausbau der Zentralen Notaufnahme, um der veränderten Versorgungsrealität Rechnung zu tragen: Durch Schließungen anderer Kliniken übernehmen die Main-Kinzig-Kliniken zunehmend Aufgaben der Akutversorgung. Zudem wird mit dem Amtsantritt des neuen Chefarztes der Medizinischen Klinik I, Dr. Pirot, die kardiologische Expertise gezielt gestärkt. Am Standort Schlüchtern sind für 2026 Investitionen in Höhe von rund 6 Millionen Euro geplant. Diese fließen insbesondere in die Weiterentwicklung der Inneren Medizin sowie in den Aufbau einer Tagesklinik Geriatrie. Damit übernimmt der Standort Schlüchtern eine wichtige Rolle bei der Versorgung einer älter werdenden Bevölkerung und leistet einen wesentlichen Beitrag zur flächendeckenden medizinischen Versorgung im Kreisgebiet."
Gemeinsamer Weg mit klarer Perspektive
„Die Main-Kinzig-Kliniken sind ein unverzichtbarer Bestandteil der Gesundheitsversorgung unserer Region. Wir stehen geschlossen hinter dem eingeschlagenen Kurs, der wirtschaftliche Verantwortung mit medizinischer Qualität und regionaler Nähe verbindet. Die geplanten Investitionen zeigen deutlich: Wir bauen nicht ab, wir stärken gezielt“, betont Landrat Thorsten Stolz.
Abschließend fasst Geschäftsführer Christian Quack zusammen: „Eine nachhaltige wirtschaftliche Stabilisierung gelingt nur mit klarem Wachstumskurs und gezielten Investitionen. Die laufende Reorganisation verstehen wir nicht nur als notwendige Reaktion auf aktuelle Herausforderungen, sondern vor allem als Chance, die medizinische Versorgung im Main-Kinzig-Kreis langfristig hochwertig, nachhaltig und zukunftsfähig zu gestalten – zum Wohl aller Patientinnen und Patienten.“




Kommentare
Schön wär's. Bei den Erträgen müssen die Krankenhäuser flexibler werden, beim Aufwand konsequenter. Zum Vorteil der Krankenhäuser, der Patienten, der Angehörigen, der Krankenkassen.
Beispiel 1: Patientin Ü80 wird Samstagnacht 24:00 mit schwerer Knie- und Knöchelprellung vor die Tür gesetzt. Medizinisch und betriebswirtschaftlich fragwürdig.
Medizinisch: Dem jungen Arzt sei eine Nachbeschulung empfohlen. Bei einer Patientin Ü80 heilt eine schwere Prellung nicht von selbst aus. Knie und Knöchel müssen ruhiggestellt und mindestens mit Salbe behandelt werden. Bei einer 20-järhrigen Olympiateilnehmerin käme niemand auf die Idee einer Selbstheilung, bei einer 80-jährigen Beitragszahlerin dagegen sehr.
Betriebswirtschaftlich: Nachts kein Krankentransport verfügbar, daher Rücktransport mit RTW: Kosten über 900 Euro, zwei frustrierte Rettungsassistenten , die als Transporteure eingesetzt werden. Da kann man ruhig mal ein Zimmer für das Wochenende anbieten und den Krankentransport mit Tragestuhl am Montag einleiten. Tut dem Budget und dem Knie gut.
Beispiel 2: Pflegeüberleitung, die sich nur zur beschleunigten Entlassung instrumentalisieren läßt, kann eingespart werden. Das kann ein couragierter Arzt selbst übernehmen. Die Gelder für Personalaufwand können in der überlasteten Notaufnahme besser eingesetzt werden. Falsches Rezept für Pflegebett, falsches Rezept für Matratze, falsches Rezept für Rollstuhl, keine Beratung für Pflegegrad. Wozu ein Überleitungsgutachten, daß nicht ausgehändigt wird. Pflegeüberleitung als ABM-Maßnahme ist sogar patientenschädlich.
In der Notaufnahme wäre das Personal sinnvoller eingesetzt und wenn das qualifiziertere Personal nur von Belegarbeiten entlastet wird.