Udo Schlitt, Vorsitzender des VdK Hessen-Thüringen, machte deutlich, wie nach Meinung des Sozialverbands VdK dem Problem der zunehmenden Altersarmut zu begegnen sei. Unter anderem bezog er sich dabei auf das vom DGB entwickelte „Rentenkonzept 2013“. Dieses sieht eine schrittweise Anhebung des Rentenbeitragssatzes bis 2025 vor. „Das Rentenniveau könnte so auf dem heutigen Stand von rund 50 Prozent stabilisiert werden. Statt den Beitragssatz abzusenken, geht es darum, die Rücklagen der Rentenversicherung auszuweiten“, betonte Schlitt. Um die stark gewachsene Kluft zwischen Arm und Reich wieder zu schließen und künftige Generationen vor Altersarmut zu bewahren, müsste die künftige Bundesregierung für faire Löhne sorgen.
„Zu viele Menschen bekommen so wenig Geld für ihre Arbeit, dass es ihnen nicht möglich ist, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten – vom Aufbau einer armutsfesten Alterssicherung ganz zu schweigen“, sagte Schlitt. Und auch für den Pflegeund Gesundheitsbereich mahnte Schlitt Reformen an: die Abschaffung der Zusatzbeiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung und die Schaffung einer bezahlbaren menschenwürdigen Pflege. Stefan Körzell, Vorsitzender des DGB Hessen-Thüringen: „Nach Berechnungen des Hessischen Statistischen Landesamtes von 2012 haben im Jahr 2010 8% der Beschäftigten in Hessen – das sind 155.000 – für einen Lohn von unter 8,50 Euro gearbeitet. Unter den Frauen waren es 12%, bei den Männern 6%. Ohne einen flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn ist Altersarmut vorprogrammiert. Wir erwarten von den politisch Verantwortlichen für die Zukunft ein Umdenken und anders Handeln: nämlich für die Menschen und nicht auf ihre Kosten.“ Mit der Verabschiedung eines rückwärtsgewandten hessischen Vergabegesetzes im März dieses Jahres habe die Hessische Landesregierung darauf verzichtet, das in ihrer Verantwortung Mögliche zu tun, um sich an dem Trend nicht mitschuldig zu machen.
„Die Einführung eines flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohns ist ein erster notwendiger Schritt, um drohender Altersarmut entgegen zu wirken. Dazu kommen müssen die Stabilisierung des Rentenniveaus und flexible Übergänge statt der Rente mit 67. Die durchschnittliche Rente beträgt bei Männern heute nur noch rund 865 Euro. Bei Frauen ist sie mit ca. 485 Euro noch deutlich niedriger. Die Erwerbsminderungsrente liegt mit 614 Euro im Schnitt unter Sozialhilfeniveau. Eine Senkung des Rentenniveaus von heute knapp 50 auf 43 Prozent und zusätzliche Abschläge durch die Rente mit 67 sind unverantwortlich. Durchschnittsverdiener müssten 35 Jahre durchgehend arbeiten, nur um eine Rente knapp oberhalb der Grundsicherung zu bekommen. Bei einem Einkommen an der Niedriglohnschwelle von 1.800 Euro wären 45 Beitragsjahre für eine Rente knapp oberhalb der Sozialhilfe nötig.“
Hinweis zum Rentenkonzept 2013 des DGB
Nach der umstrittenen Senkung des Rentenversicherungsbeitrags durch die Bundesregierung im letzten Jahr hat der Deutsche Gewerkschaftsbund sein Rentenfinanzkonzept aktualisiert. Die neuen Berechnungen zeigen, dass die Sicherung der Renten durch den Aufbau einer Demografie-Reserve auch weiterhin möglich ist, selbst wenn der Beitragssatz auf 22 Prozent bis zum Jahr 2030 begrenzt wird.



