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Ein Abschied ohne Würdigung – Ist das unsere politische Kultur in Langenselbold?

Ein Abschied ohne Würdigung – Ist das unsere politische Kultur in Langenselbold?

Zum Neujahrsempfang der Stadt Langenselbold am 5. Februar 2026 sowie der Stadtverornetenversammlung am 2. Februar 2026 äußert sich VORSPRUNG-Leser Gerhard Groß, CDU-Stadtverordneter in Langenselbold, in diesem Leserbrief.

"Als langjähriges Mitglied der Kommunalpolitik in Langenselbold habe ich den diesjährigen Neujahrsempfang sowie die letzte Stadtverordnetenversammlung mit großer Verwunderung und Enttäuschung verfolgt. Ein Vorgang wirft bei mir Fragen auf, die ich nicht einfach hinnehmen möchte. Die Rede ist vom Abschied des Stadtverordnetenvorstehers Bernd Kaltschnee. Nach fast 30 Jahren politischer Tätigkeit – drei Jahrzehnte Einsatz für unsere Stadt und ihre Bürgerinnen und Bürger – musste er sich selbst verabschieden. Kein Wort des Dankes von Bürgermeister Timo Greuel, keine Blumen, keinerlei Würdigung. Nichts.

Man stelle sich vor: Ein Mensch stellt drei Jahrzehnte seines Lebens in den Dienst der Öffentlichkeit, gestaltet kommunale Politik mit, trägt Verantwortung – und dann dieses Schweigen. Dass ausgerechnet der Bürgermeister, der doch die Stadt und ihre Ehrenamtlichen repräsentieren sollte, hier versagt, ist mehr als nur eine Geschmacklosigkeit.

Besonders befremdlich wirkt dieses Verhalten, wenn man bedenkt, dass beide – Herr Kaltschnee und Herr Greuel – derselben politischen Familie angehören. Wenn schon innerhalb der eigenen Partei kein respektvoller Umgang gepflegt wird, welches Signal sendet das dann an alle anderen? An die vielen Ehrenamtlichen in unseren Vereinen, an die engagierten Bürgerinnen und Bürger, die sich tagtäglich für das Gemeinwohl einsetzen? Sollen sie daraus lernen, dass langjähriges Engagement am Ende mit Nichtbeachtung quittiert wird?

Der Neujahrsempfang ist der Empfang der gesamten Stadt, ausgerichtet vom Stadtverordnetenvorsteher und dem Bürgermeister gemeinsam. Dass ausgerechnet dort der scheidende Stadtverordnetenvorsteher übergangen wurde, ist eine öffentliche Demütigung, die ich mir nicht erklären kann. Weder persönliche Befindlichkeiten noch politische Differenzen rechtfertigen ein solches Verhalten. Es geht um Anstand und Respekt.

Ja, es gab einen Gastredner, es gab musikalische Unterhaltung. Aber die Würdigung eines scheidenden Amtsträgers nach 30 Jahren hätte selbstverständlich sein müssen. Hier wurde eine Chance vertan, Wertschätzung zu zeigen und ein Zeichen für die politische Kultur in unserer Stadt zu setzen.

Ich appelliere an Bürgermeister Greuel: Es ist nie zu spät, eine versäumte Würdigung nachzuholen. Herr Kaltschnee hat es verdient. Und unsere Stadt hat es verdient, dass wir einen respektvollen Umgang miteinander pflegen – gerade dann, wenn sich jemand nach Jahrzehnten aus der ersten Reihe verabschiedet."

Gerhard Groß
Langenselbold

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Kommentare

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Christof Sack
2 monate vor
Bezugnehmend auf das geäußerte Unverständnis über die ausgebliebene Verabschiedung eines langjährigen Stadtverordneten in der letzten Sitzung, möchte ich die Situation wie folgt einordnen:
1.In Langenselbold ist es seit jeher bewährte Praxis, Stadtverordnete erst dann offiziell zu würdigen und zu verabschieden, wenn ihr Ausscheiden aus dem Parlament endgültig feststeht. Eine Verabschiedung vor dem Wahltag am 15. März wäre nicht nur unüblich, sondern würde dem Wahlergebnis vorgreifen. Erst die konstituierende Sitzung des neuen Parlaments ist der richtige Rahmen, um diejenigen zu ehren, die dem Gremium künftig tatsächlich nicht mehr angehören.
2.Es ist korrekt, dass sich der Stadtverordnetenvorsteher in der letzten Sitzung persönlich verabschiedet hat. Dies geschah jedoch vor dem Hintergrund seiner privaten Einschätzung, dem kommenden Parlament voraussichtlich nicht mehr anzugehören. Fakt ist jedoch: Er kandidiert erneut auf Listenplatz 38.
3.Durch die Besonderheiten des hessischen Kommunalwahlrechts haben die Bürgerinnen und Bürger das letzte Wort. Ein Einzug in das Parlament von Platz 38 aus ist durch Kumulieren und Panaschieren theoretisch jederzeit möglich. Eine offizielle Verabschiedung durch die Stadt vor der Wahl wäre daher verfrüht. Es steht mir oder den amtierenden Akteuren nicht zu, eine vorgreifende Einschätzung des Wahlausgangs vorzunehmen. Dies wäre ein unzulässiger Eingriff in den demokratischen Wahlakt und eine Respektlosigkeit gegenüber dem Wählerwillen.
4.Ich bin fest davon überzeugt, dass für jeden langjährigen Kollegen, der nach dem 15. März tatsächlich aus dem Parlament ausscheidet, eine gebührende Verabschiedung in der darauffolgenden Sitzung stattfinden wird. Dies gebietet der Respekt vor dem Ehrenamt und den demokratischen Spielregeln. Jedes Engagement wird die Anerkennung finden, die ihm gebührt – jedoch erst dann, wenn die Wähler entschieden haben.
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Wolfgang
2 monate vor
So etwas hat mit Moral und anstand zu tun.
Diese Werte sind der heutigen Politik mache ein Fremdwort . Schade
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RenateV
2 monate vor
Die Lebensleistung von Bernd Kaltschnee steht außer Frage. Er hat viel für unsere Stadt getan und dafür gebührt ihm Respekt.
Gerade deshalb sollte sein Abschied nicht als politische Projektionsfläche dienen, um erneut Stimmung zu machen. Wertschätzung ja – Instrumentalisierung nein. Politische Kultur zeigt sich nicht im Schreiben von Leserbriefen, sondern im eigenen Verhalten.
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Coloradio
2 monate vor
Haha …. die SPD hat nichtmal jemand im Main-Kinzig-Kreis gefunden der was höfliches zum Ende von Timo Greul sagt. Da musste extra jemand jenseits von Frankfurt in die Breche springen. Null Bezug zur Stadt was erwartet ihr da.
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Blasrohr-Duo
2 monate vor
Da gibt jetzt eine neue machtgeile Truppe den Ton bei der SPD an. Ein erster Vorgeschmack auf die Links-rot-grünen Träume von Ritterhaus, Brenner und Hofacker
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Stefan
2 monate vor
zitiere Blasrohr-Duo:
Da gibt jetzt eine neue machtgeile Truppe den Ton bei der SPD an. Ein erster Vorgeschmack auf die Links-rot-grünen Träume von Ritterhaus, Brenner und Hofacker


Jetzt wo Sie diese rot-rot-grünen Namen nennen, wird es mir klar.

Schlimm, wenn solche rot-grünen Socken - wie Rittershaus, der rote Brenne und die grüne Hofacker - an die Macht kommen würden. Dann würde der faulige Mehltau noch weitere 5 Jahre sich über Langenselbold legen - und derweil würden die Pöstchen unter den Genoss*innen brav verteilt werden.

Nur blau-schwarz - eine mutige mitte-rechts Koalition von AfD und CDU wäre endlich eine Wohltat für Langenselbold
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Konrad
2 monate vor
Ja, es hätte pompöser ausfallen können. Aber vielleicht wollte man das garnicht. Immerhin wurde er von der letzten Stadtverordnetenversammlung mit stehendem Applaus gewürdigt. Nur die zwei CDU-Mitglieder Heck und Gerk blieben da im Publikum sitzen.
Man kann es auch von zwei Seiten betrachten.
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Hätteesgernschönhier
2 monate vor
Arm an Anstand. Sehr traurig.
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Eine Schande!
2 monate vor
Dieser Leserbrief ist Spitze.
Vor wenigen Tagen in einer Runde mit Freunden, habe ich das auch genau so empörend gesagt. Wo waren denn die SPD Funktionsträger? In den vordersten Reihen saßen sie, nach dem Motto, sehen und gesehen werden. Solche Leute bestimmen das Geschehen in unserer Stadt und zeigen ein ehrliches Bild von Bürgernähe. Zu mehr als Sprüche und Diffamierungen des politischen Gegners reicht es nicht. Herr Kaltschnee hat das Amt souverän begleitet, als "Erster Bürger" unserer Stadt und dann so einen Abschied, an so einem Abend, zeigt den Charakter der in dieser Partei vorhanden ist. Auch nicht die mitregierenden GRÜNEN kamen auf die Idee Herrn Kaltschnees ehrenamtliche Arbeit zu würdigen. Frau Hofacker sitzt auch schon Jahrzehnte im Parlament und was kam? Nichts. Als politisch interessierter Bürger, kann ich nur auf diesem Wege Herrn Kaltschnee für sein Engagement danken.
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