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Handwerk im Main-Kinzig-Kreis darf nicht weiter belastet werden

Handwerk im Main-Kinzig-Kreis darf nicht weiter belastet werden

Die von der Bundesregierung geplante 1.000 Euro-Prämie für Beschäftigte thematisiert VORSPRUNG-Leser Klaus Reuter, ehemaliger Bürgermeister von Großkrotzenburg, in seinem Leserbrief.

"Die Ankündigung einer Prämie von 1.000 Euro von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat auch im Main-Kinzig-Kreis viele Fragen aufgeworfen. Vor allem dann, wenn am Ende die Handwerksbetriebe für deren Finanzierung herangezogen werden sollen. Ein solcher Ansatz wäre aus meiner Sicht das falsche Signal zur falschen Zeit. Gerade das Handwerk ist in unserer Region ein unverzichtbarer Pfeiler der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Stabilität. Die zahlreichen kleinen und mittelständischen Betriebe im Main-Kinzig-Kreis sichern Arbeitsplätze, bilden junge Menschen aus, investieren vor Ort und tragen in erheblichem Maße zur regionalen Wertschöpfung bei. Sie sind häufig familiengeführt, seit Generationen verwurzelt und übernehmen Verantwortung weit über das rein Wirtschaftliche hinaus.

Gleichzeitig stehen diese Betriebe bereits heute unter erheblichem Druck. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich in den vergangenen Jahren spürbar verschärft. Steigende Material- und Energiekosten, höhere Lohnnebenkosten, ein anhaltender Fachkräftemangel sowie immer neue Dokumentations- und Verwaltungsanforderungen belasten viele Unternehmen zunehmend. Hinzu kommt, dass zahlreiche Betriebe in einem harten Wettbewerb stehen und Preiserhöhungen nur begrenzt an ihre Kunden weitergeben können.

Viele Unternehmerinnen und Unternehmer arbeiten längst an der Grenze des wirtschaftlich Vertretbaren. Sie tragen Verantwortung für ihre Beschäftigten, müssen Investitionen in Maschinen, Fahrzeuge und Digitalisierung stemmen und zugleich Ausbildungsplätze sichern. Wer die Realität in unseren Werkstätten, auf den Baustellen und in den Betrieben im Main-Kinzig-Kreis kennt, weiß: Dort gibt es keine finanziellen Spielräume für zusätzliche politische Belastungen. Deshalb erscheint es weder gerecht noch nachvollziehbar, wenn eine staatlich angekündigte Prämie am Ende von den Betrieben finanziert werden soll. Politische Maßnahmen, die von der Bundesregierung beschlossen oder angekündigt werden, müssen aus öffentlichen Mitteln finanziert werden. Andernfalls entsteht der Eindruck, dass politische Versprechen abgegeben werden, deren Kosten anschließend auf diejenigen verlagert werden, die ohnehin schon tagtäglich Leistung erbringen.

Das würde nicht nur die wirtschaftliche Lage vieler Handwerksunternehmen weiter verschärfen, sondern auch das Vertrauen in die Verlässlichkeit politischer Entscheidungen beschädigen. Gerade in wirtschaftlich anspruchsvollen Zeiten brauchen Unternehmen Planbarkeit, Stabilität und klare Rahmenbedingungen. Wenn Politik es ernst meint mit der Stärkung des Mittelstands, dann darf sie das Handwerk nicht immer wieder als finanzielle Reserve betrachten. Was unsere Betriebe im Main-Kinzig-Kreis jetzt brauchen, sind weniger Bürokratie, verlässliche politische Entscheidungen, bessere Rahmenbedingungen für Ausbildung und Investitionen sowie eine spürbare Entlastung bei Steuern und Abgaben. Das Handwerk ist kein Ausfallbürge für politische Ankündigungen. Es ist ein tragender Teil unserer regionalen Wirtschaftskraft. Wer die Zukunft des Main-Kinzig-Kreises sichern will, muss seine Handwerksbetriebe stärken und nicht zusätzlich belasten."

Klaus Reuter
Bürgermeister a.D.
Großkrotzenburg

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Kommentare

17
W̷i̸n̵s̷t̵o̴n̸
1 woche vor
Die Politiker müssen uns ihre Politik nur besser erklären, dann verstehen wir sie vielleicht auch.

Es macht nie einer der verantwortliche Fehler, es sind immer die anderen schuld.
Und seitens der Politik wird ausgesagt, dass sie mit den Steuerfreien 1000€ den Bürgern ja Helfen wollten.

Und die Wähler eben dieser Parteien merken nicht, wie sich permanent vorgeführt werden.
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12
W̷i̸n̵s̷t̵o̴n̸
1 woche vor
zitiere W̷i̸n̵s̷t̵o̴n̸:
Und seitens der Politik wird ausgesagt, dass sie mit den Steuerfreien 1000€ den Bürgern ja Helfen wollten.


Nachdem der Bundesrat ja gemerkt hat, dass durch diese Aktion 3 Mio. Steuereinnahmen flöten gehen.
Hat sich die Steuerfreiheit der 1000€ ja eh erledigt.

Mal abwarten, ob CDU & SPD nun behaupten, dass sie ja gerne Helfen würden, es aber nicht geklappt hat.
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18
Proximo
1 woche vor
Zitat:
Gerade in wirtschaftlich anspruchsvollen Zeiten brauchen Unternehmen Planbarkeit, Stabilität und klare Rahmenbedingungen.
Korrekt. Aber schauen Sie sich doch mal Deutschlands aktuell wichtigsten Politiker, Friedrich Merz, an. Vor der Wahl verteidigte er gebetsmühlenartig die Schuldenbremse. Wir wissen alle, wer sofort nach der Wahl das sogenannte "Sondervermögen", den größten fiskalpolitischen Eingriff in der Geschichte der Bundesrepublik, einführte.
Wie soll man einem solchen Menschen jemals vertrauen können?
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3
A.S.
1 woche vor
Kann nicht muss!

Ohne diverse Entscheidungen der Regierung beschönigen zu wollen handelt es sich hier nicht um eine Zwangsabgabe die das Unternehmen zu leisten hat.

Es würde sich um eine steuerbefreite, zum normalen Gehalt, finanzielle Prämie handeln. Auf freier Basis beruhend.

Einem ehemaligen Bürgermeister sollte bekannt sein das er "seine" Unternehmen in "seiner" Kommune sicherlich auch hätte entlasten können, wenn er denn gewollt hätte, ebenso wie seine amtierenden Amtskollegen aller Kommunen und Städte. Gewerbesteuer beruht nicht auf einer freiwilligen Abgabe in die kommunale Kasse!

Ebenso tun sich einige Unternehmen schon seit längerem damit schwer gute zusätzliche Arbeit angemessen zu entlohnen. Hier könnten die aufgelaufenen, finanzielle nicht bezahlten Überstunden, in Form eines entlastenden Ausgleiches, steuerfrei an ihre Mitarbeiter entlohnt werden.

Unterm Strich ist es eigentlich egal wie auch immer hier etwas zur Auszahlung kommt. Belasten wird es weiterhin diejenigen die sich auf den Weg zu ihrer Arbeitsstätte machen werden. Man wird die fehlenden Steuereinnahmen auf einem anderen Wege wieder zurückholen.

Die eigentlichen Probleme, die durch solche steuerfreien "Prämien" in Vergessenheit geraten sollen, liegen nach wie vor an anderer Stelle.
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