Auf seiner Sitzung nach der Protestdemo gegen die Kürzungen im hessischen Bildungswesen hat sich der Kreisvorstand des GEW KV Gelnhausen noch einmal intensiv mit dieser Thematik befasst. „Während die Landesregierung von 'Chancen' spricht, bereitet sie im Hintergrund den Keil vor, der die Bildungsschere in Hessen endgültig sprengen wird. Es geht hier nicht nur um ein paar Stunden weniger, es geht um den systematischen Rückzug des Staates aus seiner Verantwortung“, sagt, die Diskussion bilanzierend, die neue Geschäftsführerin Annemarie Schneider. „Die Pläne sind so kurzsichtig wie gefährlich“, führt Mario Wagner, einer der beiden Teamvorsitzenden weiter aus.
Angriff auf die Ausbildung
"In der Lehrkräfte-Ausbildung soll gekürzt werden. Künftig müssen weniger Ausbilder:innen mehr Lehrkräfte auf einen Beruf vorbereiten, der durch eine immer vielfältigere Schülerschaft und fehlende Ressourcen ohnehin am Limit ist. Wer bei der Qualität der Ausbildung spart, erntet morgen das rapide Sinken der Unterrichtsqualität“, formuliert es Sibylle Dietz, die andere der beiden Teamvorsitzenden.
Streichungen bei der Zuweisung von Lehrerstellen nach Sozialindex
"Die Zahl der Stellen, die Schulen mit einem herausfordernden Umfeld (berechnet nach dem Sozialindex) gezielt unterstützen, soll fast um die Hälfte gestrichen werden. Das ist soziale Selektivität in Reinkultur: Dort, wo Förderung am nötigsten ist und am wenigsten Gegenwehr erwartet wird, nimmt die Landesregierung die Einsparungen vor“, bringt Annemarie Schneider es auf den Punkt. „Die Kinder und Jugendlichen, die sowieso schon sozial benachteiligt sind und weniger häusliche Unterstützung erhalten, werden von den Einsparungen am meisten getroffen. Die Landesregierung würde niemals bei Deputaten in der Oberstufe sparen, da dann der Aufschrei viel größer wäre.“
Die Bildungsschere klafft weiter auf
Das Bild der Bildungsschere verdeutliche das Kernproblem: Während Kinder aus privilegierten Milieus (hoher sozioökonomischer Status, SES) bei Problemen in der Schule oft noch privat aufgefangen werden könnten, würden Kinder aus benachteiligten Milieus (niedriger SES) nicht aufgefangen und sich sehr schnell auf der „Verliererseite“ finden. "Jugendliche verlassen die Schule ohne Abschluss und ohne Perspektive. Die Kürzungen wirken wie ein Keil, der diese Gruppen unumkehrbar voneinander trennt", heißt es weiter in der Pressemitteilung.
Der GEW-Kreisvorstand bilanziert: "Die Folgen dieses bildungspolitischen Blindflugs sind bereits heute absehbar:
1. Massiver Fachkräftemangel: Wer heute bei der Bildung spart, darf sich morgen nicht über fehlende Fachkräfte wundern. Jedes Kind ohne Abschluss ist ein verlorenes Potential für unseren Arbeitsmarkt.
2. 3.700 Schicksale pro Jahr: Im Jahr 2024 verließen allein in Hessen 3.700 Schüler:innen die Schule ohne Hauptschulabschluss. Das sind 3.700 junge Menschen, denen der Weg in ein selbstbestimmtes Leben verbaut wurde. Und Sibylle Dietz stellt klar: „Für uns als GEW Gelnhausen ist klar: Jeder einzelne Jugendliche ohne Schulabschluss ist einer zu viel!“
3. Burnout statt Bildung: Die Arbeitsverdichtung für Lehrkräfte steigt ins Unermessliche."
„Wir erleben eine Spirale aus Überlastung, Burnout und sinkender Unterrichtsqualität, die die Bildungsqualität und am Ende auch die mentale Gesundheit der Schüler:innen massiv gefährdet“, führt Mario Wagner aus.
Der GEW-Kreisvorstand meint: "Demokratie braucht Bildung – keine Abgehängten! Bildung ist der Schlüssel für persönlichen Erfolg und ein gelingendes Leben, aber auch Grundvoraussetzung für das Funktionieren und den Zusammenhalt einer Gesellschaft. Wenn sich immer mehr Menschen durch das staatliche Bildungswesen abgehängt fühlen, gerät einer der wichtigsten Pfeiler Demokratie ins Wanken."
Der Kreisvorstand bringt es folgendermaßen auf den Punkt: "Demokratie ist gefährdet, wenn Herkunft über Zukunft entscheidet! Nur ein Bildungssystem, das allen Schüler:innen gerecht wird – auch den 'bildungsfernen', kann zuverlässig dazu beitragen, dass mündige, demokratisch gesinnte Bürger:innen Gesellschaft, Staat und Wirtschaft auf demokratischer Grundlage mit Leben füllen und gestalten. Alles andere dient nur den antidemokratischen Kräften, die schon einmal unser Land verwüstet haben und die in der heutigen Zeit auch schon wieder so erschreckend viel Zuspruch erhalten. Der GEW-Kreisvorstand fordert: "Stoppt den Kürzungsirrsinn! Bildung muss Priorität haben – für unsere Kinder, für unsere Gesellschaft und für den Erhalt unserer Demokratie!"




Kommentare
Zitat:Unabhängig von dem schwachsinnigen Gendern, ist ein oder vielleicht das größte Problem,
dass die Schulen mittlerweile zum Migrationsproblem verkommen sind.
Der Anteil nicht Deutsch sprechender Kinder gerade in Grundschulen schwankt je nach Region zwischen 10%-50%
Zusätzlich Sprechen diese Kinder zu Hause oftmals kein Deutsch.
Die Lehrer werden dadurch in ihrem Fortschritt stark gebremst und alle bleiben auf der Strecke.
Wenn man sich schulen in Ballungsgebieten und ländlichen Regionen anschaut, kann man diesen unterschied extrem sehen.
Wenn allerdings die Erziehungsberechtigten der Kinder kein Interesse zeigen, daran etwas zu ändern, wird sich nichts ändern.
Schuld dabei ist nicht oder nur bedingt das Bildungssystem, sondern die Bereitschaft aktiv mitzuwirken.
"Demokratie ist gefährdet, wenn Herkunft über Zukunft entscheidet! Nur ein Bildungssystem, das allen Schüler:innen gerecht wird – auch den 'bildungsfernen', kann zuverlässig dazu beitragen, dass mündige, demokratisch gesinnte Bürger:innen Gesellschaft, Staat und Wirtschaft auf demokratischer Grundlage mit Leben füllen und gestalten ... "
In der ersten Zeile des Zitats sollte man das Wörtchen "wenn" durch "weil" ersetzen.
Dass ausgerechnet die Lehrergewerkschaft den Lesern woke Sprachverhunzung zumutet (weil man uns "erziehen" will?), ist mehr als gewöhnungsbedürftig und lenkt von den wahrlich reichlich vorhandenen echten gesellschaftlichen Problemen ab.