Im Main-Kinzig-Kreis sind im vergangenen Jahr nach Angaben der Gewerkschaft 1.235 Wohnungen neu gebaut worden – 367 davon in Ein- und Zweifamilienhäusern. Insgesamt lagen die veranschlagten Bauwerkskosten für alle Wohngebäude, die 2024 im Main-Kinzig-Kreis neu entstanden sind, bei rund 226,5 Millionen Euro, so die IG BAU. Die Gewerkschaft beruft sich dabei auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes (Destatis). „Jede Wohnung mehr zählt. Es gibt aber auf jeden Fall ‚Luft nach oben‘: Auch der Main-Kinzig-Kreis braucht eine Neubau-Offensive. Ebenso mehr Sanierungen. Vor allem fürs seniorengerechte Wohnen“, so Gernot Sattler.
Der stellvertretende Vorsitzende der IG BAU Hessen-Mitte macht deutlich, dass dazu allerdings bei den Kosten „viel passieren“ müsse: „Es wird nur dann mehr gebaut, wenn einfacher und damit günstiger gebaut wird“, sagt Sattler. Immerhin sei es machbar, die reinen Baukosten um ein Viertel bis zu einem Drittel zu senken. Das sei das Ergebnis einer aktuellen Wohnungsbau-Studie vom staatlichen Bauforschungsinstitut ARGE (Kiel), so die IG BAU Hessen-Mitte.
Der Bau habe eine Entbürokratisierung dringend nötig. Ziel müsse es sein, den Neubau schlanker und damit günstiger zu machen: „Runter mit überzogenen Standards und kostentreibenden DIN-Normen – und dadurch rauf mit den Neubau-Zahlen. Denn weniger Bau-Hürden bedeuten mehr neue Wohnungen“, so Gernot Sattler. Wer die Kosten ins Visier nehme, müsse auf den „Gebäude-Typ E“ setzen. Das „E“ stehe dabei für einfaches, erleichtertes und effizientes Bauen.
Konkret bedeute das: geringere Stärken bei Decken und Außenwänden. „Damit lässt sich schon Geld sparen. Aber auch Baustoffe und damit Energie, Ressourcen und CO2. Entscheidender Kostentreiber ist allerdings die Technik – also Heizung, Lüftung, Sanitär und Elektro. Von der Haustechnik bis zur Einbauküche gilt: weniger High-End-Produkte. Das macht das Wohnen am Ende wesentlich günstiger“, sagt Sattler.
Außerdem ließen sich durch weniger Pkw-Stellplätze und erst recht durch den Verzicht auf Tiefgaragenplätze enorm Kosten sparen. Die ARGE-Studie warne bei der Analyse der Neubaukosten auch davor, beim Lärm- und Klimaschutz zu überziehen: „Ein Beispiel sind dreifach verglaste Fenster. Die müssen nicht sein“, so Gernot Sattler. Es sei höchste Zeit, das Label „gut & günstig“ an den Wohnungsbau zu kleben. Es sei heute möglich, in guter Qualität deutlich günstiger zu bauen. „Genau darin liegt die Chance, jetzt wieder mehr zu bauen – auch im Main-Kinzig-Kreis“, sagt Sattler. Schließlich sei es immer noch besser, einfacher zu bauen als gar nicht zu bauen.
Außerdem spare auch der Staat Geld, wenn er die Bauvorschriften herunterfahre: „Sinken die Baukosten, dann sinkt auch die Förderung, die der Staat aufbringen muss, damit überhaupt gebaut wird. So lassen sich unterm Strich mehr Sozialwohnungen und mehr bezahlbare Wohnungen fördern und damit neu bauen“, sagt der stellvertretende Vorsitzende der IG BAU Hessen-Mitte. Für bundesweit 100.000 Sozialwohnungen, deren Neubau pro Jahr dringend notwendig sei, müssten Bund und Länder mindestens 11 Milliarden Euro an Fördermitteln bereitstellen. Um 60.000 bezahlbare Wohnungen neu zu bauen, seien mindestens 4 Milliarden Euro pro Jahr an Subventionen erforderlich.
Mehr zur Wohnungsbau-Studie, zum „Gebäude-Typ E“ und zu dem, was jetzt beim Wohnungsbau dringend passieren muss, gibt es im Internet auf der Homepage vom Verbändebündnis Wohnungsbau, dem auch die IG BAU angehört: www.wohnungsbau-tag.de




Kommentare
Wenn man Bauen billiger machen will, muss man Standards senken, nicht notwendige Leistungen streichen! Das ist ein riesen Unterschied. Ich sehe schon wieder am Himmel aufziehen, dass der nächste Unsinn verzapft wird.
Toll Begriffe, die Stärke und Eindruck vermitteln sollen…so wie früher in der DDR, um dem Bürger zu zeigen, dass man „Kraftvoll“ ist und etwas macht.
Wie kann man diesen Quatsch nur glauben?
Wer in seinem Kfz einen solchen Turbo verbaut hat kennt den vor genannten Effekt.
Bei niedrigen Drehzahlen kann der Turbo seine erhoffte Leistung nicht bringen.
Nun ist ja hinlänglich bekannt das man hierzulande scheinbar im Standgas unterwegs ist. Der Turbo läuft zwar mit kommt aber nicht auf Touren.
Ist der Turbo wirklich mal am powern und man nimmt das Gas abrupt weg, ist ein Wumms zu hören oft mal auch ein Doppel - Wumms.
Da ist viel Krach um Nichts! Und ein Wölkchen, verschwindend am Horizont.
Was das Leben doch für Zufälle parat hält.
Parallelen in Politik und Motortechnik.
Ich bewerte z. B. Bundesbauministerin Verena Hubertz nicht nach ihren Worten, sondern nach ihren Taten.
Notwendig seien vor allem Sozialwohnungen und bezahlbare Wohnungen.