Landrat Thorsten Stolz, Spitzenkandidat der SPD bei der Kreistagswahl am 15. März, erläuterte eingangs: „Wir wollen in enger Zusammenarbeit mit den Städten und Gemeinden Verantwortung übernehmen und auf diese Weise die regionale Wohnsituation nachhaltig verbessern.“ Eine kreiseigene Wohnbaugesellschaft könne ein Katalysator sein für eine langfristig erfreuliche Entwicklung des Wohnungsmarktes im gesamten Main-Kinzig-Kreis, „ganz egal ob in städtischen Regionen oder im ländlichen Bereich“, sagte Stolz. Bis zu 400 Wohnungen könnten so im Schulterschluss mit den Städten und Gemeinden in den nächsten Jahren gebaut werden.
Der Main-Kinzig-Kreis bekommt circa 84 Millionen Euro aus dem Sondervermögen des Bundes. Die SPD möchte dies in drei Teile aufteilen. Ein Drittel des Geldes, also 28 Millionen Euro, soll zur soliden Gegenfinanzierung bereits veranschlagter Investitionen im Haushalt genutzt werden. Die stellvertretende Vorsitzende der SPD Main-Kinzig, Sibylle Hergert, erläuterte: „Dabei denken wir an die zentralen Themen Bildung, Schule sowie Brand- und Katastrophenschutz.“ Ganz wichtig sei es, bei diesen Investitionen die regionale Wirtschaft einzubinden, ergänzte Thorsten Stolz: „Durch eine gezielte Auftragsvergabe an lokale Unternehmen stärken wir unseren Wirtschaftsstandort.“ Die geplanten Veränderungen beim Vergaberecht bieten dafür die Möglichkeiten, denn Hessen will Auftragsvergaben im Baubereich bis zu 750.000 Euro ohne förmliche Vergabeverfahren ermöglichen. „Dadurch bleibt Wertschöpfung hier vor Ort“, betonte Sibylle Hergert.
Ein weiteres Drittel ist für die Verbesserung der Pflegeinfrastruktur vorgesehen. „Uns geht es vor allem um die Sanierung und Modernisierung der kreiseigenen Alten- und Pflegezentren“, sagte Unterbezirksvorsitzender Andreas Hofmann: „Der Main-Kinzig-Kreis betreibt 14 Pflegeeinrichtungen, die wir an die Anforderungen anpassen wollen, die der demographische Wandel mit sich bringt.“ So könne der Kreis auch künftig für die Menschen da sein. Aber: Auch hier müsse die regionale Wirtschaft unbedingt eingebunden werden, damit das Sondervermögen nicht aus dem Kreis fließe.
Das letzte Drittel soll schließlich den Start für die kreiseigene Wohnbaugesellschaft markieren, betonte Cornelia Rück, die aktuell für die SPD im Kreisausschuss sitzt: „Wir haben schon viele Wohnbauprojekte gefördert, zum Beispiel in Maintal, Bruchköbel, Erlensee, Rodenbach, Wächtersbach und Schlüchtern.“ Die Gründung einer kreiseigenen Wohnungsbaugesellschaft sei bisher allerdings an begrenzten finanziellen Spielräumen des Main-Kinzig-Kreises gescheitert. „Das Sondervermögen bietet uns die einmalige Chance für den ganz großen Wurf“, sagte Rück. Die SPD rechnet mit dem realistischen Bau von bis zu 400 Wohneinheiten durch die Nutzung der Investitionsmittel aus dem Sondervermögen als Eigenkapital und die Inanspruchnahme von Fremdmitteln. Dabei richtet die SPD den Blick auf Neubau, aber auch die Sanierung von Bestandgebäuden sowie die Schaffung von altersgerechtem Wohnraum.
Langenselbolds Bürgermeisterkandidat Wolfgang Rittershauß unterstrich dies: „Eine kreiseigene Wohnbaugesellschaft wäre ein riesengroßer Gewinn für unseren Landkreis.“ Gerade Langenselbold könne von dieser Idee enorm profitieren. „Nicht umsonst findet die Pressekonferenz heute hier statt. Es ist ein zentrales Anliegen von mir, bezahlbaren und lebenswerten Wohnraum zu schaffen. Denn hier wird er dringend benötigt.“ Aus seiner Erfahrung als Bauamtsleiter sei Rittershauß überzeugt davon, dass die kreiseigene Wohnbaugesellschaft einen großen Nutzen bringe: „Ich bin mir sicher, dass der Erfolg vor allem langfristig programmiert ist. Denn der Wohnungsnotstand verlangt nach Lösungen. Und hier haben wir eine sehr gute auf dem Tisch.“
Fraktionsvorsitzender Klaus Schejna sagte: „Das Thema bezahlbares Wohnen ist seit Jahren eines der zentralen Anliegen der SPD. Wir kümmern uns um die Menschen, und wir sind überzeugt davon, dass dies der richtige Schritt ist, um unserer Verantwortung auch in Zukunft gerecht zu werden.“ Die Gründung einer kreiseigenen Wohnbaugesellschaft sei eine Herzensangelegenheit der SPD.
Klaus Schejna betonte abschließend: „Wir sind die, die da sind. Auch dann, wenn es um kluge Ideen geht. Wir sind überzeugt davon, dass wir dieses Sondervermögen sinnvoll einsetzen müssen. Wir werden intensiv dafür werben, denn damit schaffen wir nachhaltige Werte und unterstützen gleichzeitig unsere regionale Wirtschaft.“



Kommentare
Seit Jahren sucht er nach eigener Aussage in Langenselbold eine bezahlbare Wohnung – und findet keine. Ein Amtsleiter mit entsprechendem Gehalt scheitert am Wohnungsmarkt? Dann stellt sich unweigerlich die Frage: Wie sollen es bitte Normalverdiener, Alleinerziehende oder Rentner schaffen?
Ist der Wohnungsmarkt wirklich so katastrophal – oder sind die eigenen Ansprüche schlicht höher als das, was man öffentlich als „bezahlbar“ definiert?
In den vergangenen Jahren haben zahlreiche Wohnungen den Besitzer oder Mieter gewechselt. Keine einzige davon soll infrage gekommen sein? Das wirft Fragen auf – und kein gutes Licht auf die Glaubwürdigkeit dieses Wahlversprechens.
Und dann die Idee mit neuen Strukturen, Gesellschaften, Gremien – natürlich alles „ehrenamtlich“, versteht sich. Ein neuer Wasserkopf als Lösung für Wohnraummangel? Das klingt weniger nach Pragmatismus als nach politischer Selbstbeschäftigung.
Vielleicht hätte man stattdessen bestehende Sozialwohnungen rechtzeitig sanieren sollen – statt fünf Jahre ins Land ziehen zu lassen. Wer heute große Versprechen macht, sollte erklären, warum gestern so wenig passiert ist.
Bezahlbarer Wohnraum ist ein ernstes Thema. Gerade deshalb wirkt es wie der größte Witz im Wahlprogramm, wenn ausgerechnet jemand, der selbst angeblich keinen findet, sich nun als Vorkämpfer inszeniert.
Das ist kein überzeugendes Konzept – das ist ein Armutszeugnis.
82.000.000 Fördersumme / 3= 28.000.000 für die Baugesellschaft
durch 400 Wohneinheiten = 70.000 je Wohneinheit
durch aktuell 4000 Herstellungskosten je m2 = 17,5 m2
Da sind noch keine Kosten für die Baugesellschaft abgezogen. Das ist also wesentlich weniger, was für die Herstellung von Wohnungen bleiben würde.
Oder anders, den Löwenanteil der Förderung frisst die Baugesellschaft.
Also, wie man es dreht und wendet. In unserem Land wird jegliche produktive Bemühung durch Planung, Blabla, Orga, Standards und Sozialabgaben, einfach weggefressen. Wie bei Pacman. So schnell kann man nicht erwirtschaften, da ist es schon wieder weg.
Erstmal ne Gesellschaft gründen, dann bringen wir das Geld schon unter, gell?! Wieviel Wohnungen nachher dabei rauskommen? Schaun mer mal. Das Personal will ja bezahlt werden.
Also ich glaube nicht an diese Herangehensweise. Ich glaube nur dran, dass das Geld dann verbraucht ist.
Dieses Vermögen muss aber von Personen verdient werden, die einen Job mjt Zukunft haben. Aktuell sieht es da im MKK eher mau aus. Abbau allerorten.
Aber Fachkräftemangel wohin man schaut. Sowas. Achja. Gelnhausen suxht einen Bademeister mit schwarzem Gürtel. Einen Fusswegbeauftragten. Einen Sicherheitsbeauftragten und eine verantwortliche Elektrofachkraft für die Kaffeemasxhinen im Rathaus. Nicht zu vergessen die Parkflächenbeauftragten, Radwegebauftragten und Hochwasserbeauftragte beim Barbarossamarkt.
Weiß man denn schon welche Genossen die Vorstandsposten bekommen werden?
In Hanau war das ja jahrzehntelang parteiintern, sogar familiär.
Ach was ... gab es schon einmal? Weitere Details kann man hier nachlesen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Neue_Heimat
Dort werden dann die abgewählten SPD-Genoss*innen untergebracht. Fürstlich versorgt mit Pensionsansprüchen.
Wohnungen werden dadurch aber keine gebaut werden...
Roten Socken wirtschaftliche Entscheidungsmacht zu geben, halte ich für die schlechteste aller möglichen Wahlkampfideen.!