Zweimal Freie Wähler auf der Liste zur Kreistagswahl – wer war zuerst da?
Carsten Kauck: "Die Freien Wähler Main-Kinzig als Wählergemeinschaft auf Kreisebene wurde 1992 gegründet. Die Gründung der Partei FREIE WÄHLER im Main-Kinzig-Kreis erfolgte zur Landtagswahl 2008."
Dann klären Sie uns mal auf: Wie kam es zu diesem Verwirrspiel?
Kauck: "Eine Kandidatur der Freien Wähler als Wählergemeinschaften bei einer Landtags-, Bundestags- oder der Europawahl ist per Gesetz nicht zulässig. Zu diesen Wahlen dürfen nur Parteien antreten. Daher wurde die Partei FREIE WÄHLER gegründet. In unseren starken lokalen Wählergemeinschaften, die seit Jahrzehnten in den Städten und Gemeinden des Main-Kinzig-Kreises erfolgreiche ehrenamtliche Kommunalpolitik machen, sind viele Vertreter, die sich nur kommunal engagieren wollen und mit Parteien nichts am Hut haben. Diese Haltung hat uns Freie Wähler Main-Kinzig als Wählergemeinschaft immer getragen und macht unseren Erfolg aus."
Eine gemeinsame Kandidatur wäre also nicht möglich gewesen?
Kauck: "Doch eine Kandidatur mit einer gemeinsamen Liste zur Kommunalwahl am 15. März 2026 wäre natürlich möglich gewesen. Wir haben dies angeboten. Mit der gemeinsamen Liste bei der Kommunalwahl vor fünf Jahren, in 2021, wurde es erfolgreich praktiziert. Den Freien Wähler Main-Kinzig ist es 2021 gelungen die Zahl unserer Abgeordneten im Kreistag zu verdoppeln."
Nach der jüngsten Pressemitteilung der FREIEN WÄHLER könnte man meinen, es gibt auch persönliche Differenzen. Wie würden Sie das Verhältnis beschreiben?
Kauck: "Von Seiten der Freien Wähler Main-Kinzig gibt es keine persönlichen Differenzen mit Vertretern der Partei FREIE WÄHLER. Aber sie haben Recht, natürlich machen auch wir aus, dass in den Pressemitteilungen der Partei der FREIEN WÄHLER immer wieder persönlicher Groll gegen uns, unsere Art der Kandidatur und des Auftretens im Wahlkampf ausgesprochen wird. Angeführt wird dieser Groll von Christian Clauß, dem stellvertretenden Vorsitzenden der Partei auf Kreisebene. Dies verwundert uns im Vorstand und unser Mitglieder sehr, denn noch bis kurz vor Listenaufstellung der Freien Wähler Main-Kinzig, gehörte Clauß als Mitglied in unserer Wählergemeinschaft auch dem Kreisvorstand als stellvertretender Vorsitzender an. Er engagierte sich maßgeblich bei der Erstellung der aktuell gültigen Satzung unserer Wählergemeinschaft und kritisiert nun permanent, dass wir uns an dieser ausrichten. Sein Verhalten mutet befremdlich an und ist für uns nicht erklärbar."
Was unterscheidet Sie eigentlich inhaltlich?
Kauck: "Die Freien Wähler Main-Kinzig stehen als kommunale Wählergemeinschaft für klare Sachpolitik. Wir nehmen Themen und Anliegen der Bürger vor Ort auf und suchen nach Lösungen vor Ort. Wir verfolgen individuelle Lösungsansätze und keine pauschalen Vorgaben von oben. Parteiideologie ist uns fremd. Diese Haltung oder Herangehensweise können wir bei anderen nicht erkennen."
Haben Sie schon einmal über eine Namensänderung nachgedacht?
Kauck: "Nein, eine Namensänderung steht bei uns nicht zur Debatte. Der Name „Freie Wähler Main-Kinzig“ steht für ein Engagement vieler ehrenamtlicher Kommunalpolitiker aus verschiedensten Kommunen auf Kreisebene und für ein seit 2001 erfolgreiches und ununterbrochenes Wirken im Kreistag des Main-Kinzig-Kreises. Dies wollen wir auch in den kommenden fünf Jahren fortsetzen und werben dafür mit unserem Namen „Freie Wähler Main-Kinzig“.
Und wie sieht es nach der Wahl aus: Sehen Sie Chancen für eine Zusammenarbeit?
Kauck: "Wie nach jeder Wahl, werden wir uns mit allen in den Kreistag gewählten demokratischen Gruppierungen zu ergebnisoffenen Gesprächen treffen. Das macht Demokratie aus."



Mit einer Verkleinerung des Kreistages auf 30 Abgeordnete würden uns solche Diskussionen erspart bleiben. Mir fällt nichts ein, welchen Mehrwert die Freien (eV oder nicht) im Kreistag bringen.