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Mit der Kundschaft nimmt auch das Angebot ab

Mit der Kundschaft nimmt auch das Angebot ab

Die Nahversorgung im ländlichen Raum im Main-Kinzig-Kreis ist gut – noch.

VORSPRUNG - Anruf genuegt

versorgung nah„Schlechter darf sie nicht werden“, erklärte Landschaftsplanerin Dr. Ing. Elisabeth Appel-Kummer gestern auf einer Regionalkonferenz im Main-Kinzig-Forum in Gelnhausen. Im Rahmen des Aktionsprogrammes „Regionale Daseinsvorsorge“ war die Situation in den Städten und Gemeinden analysiert worden, die „SPESSARTregional“, einem Verband zur Entwicklung des Hessischen Spessart, angehören. Eine wichtige und dennoch einfache Erkenntnis: Mit der Kundschaft nimmt auch das Angebot ab.

versorgung nah1107 Ortsteile wurden unter die Lupe genommen und die aktuellen Versorgungsmöglichkeiten erfasst. Wie bei so vielem schwebt über der Untersuchung der demografische Wandel. Die Befürchtung: Während jüngere Menschen in die Städte abwandern oder zumindest zum Einkaufen weitere Wege in Kauf nehmen, bestehen für die ältere Generation vor Ort keine Einkaufsmöglichkeiten mehr. Auf der Regionalkonferenz waren daher auch so genannte „Dorfläden“ ein großes Thema, die von einem Verein oder einer örtlichen Gemeinschaft getragen werden. Auch den mobilen Einkaufsmärkten, die durch die Ortschaften fahren und neben Lebensmitteln mittlerweile ein breitgefächertes Sortiment anbieten, wurde eine rosige Zukunft prophezeit.

versorgung nah2Besonders interessant war allerdings der Blick auf die aktuelle Lage. Die Einwohnerzahl hat seit 2004 in den östlichen Kommunen dramatisch abgenommen und sich gegen den Trend im Main-Kinzig-Kreis entwickelt. Ein Anstieg wird dagegen beim Durchschnittsalter erwartet. Im Jahr 2030 soll dies bei 50,4 Jahren liegen, das sind sechs Jahre mehr als derzeit. In allen Orten der erfassten Kommunen mit mehr als 1000 Einwohnern gibt es derzeit noch ein Ladengeschäft – sei es Bäcker, Metzger oder gleich ein Supermarkt. Bei den Orten bis 500 Einwohnern dagegen sieht es anders aus. Ein Drittel ist versorgt, ein Drittel nicht und das letzte Drittel wird temporär, sprich mobil, versorgt. „Die Anzahl der mobilen Versorger zum jetzigen Zeitpunkt hat uns überrascht. Und sie werden noch an Bedeutung gewinnen“, erklärte Appel-Kummer bei der Vorstellung der Untersuchungsergebnisse.

Das „Lädchen“ am Ort wird am häufigsten von Personen zwischen 40 und 60 Jahren genutzt, dient allerdings keinesfalls nur dazu, nur noch schnell mal die vergessene Milch zu holen. Berufstätige und Rentner nutzen die bereits vorhandenen Geschäfte gleichermaßen, kommen meist aus dem Ort und trotzdem mit dem Auto. „Kaum jemand geht zu Fuß, auch wenn es nahe liegt“, so Appel-Kummer weiter. 53 Prozent der Menschen müssen weiter als fünf Kilometer fahren, um sich versorgen zu können, dreiviertel der Bevölkerung nimmt eine 20-minütige Anfahrt in Kauf, um zum Einkaufsmarkt ihrer Wahl zu kommen.

Wie es funktionieren könnte, sollte ein Beispiel aus dem hessischen Gertenbach im Werra-Meißner-Kreis zeigen. Dort hat sich zunächst ein Dorfladen-Verein gegründet und die Bedürfnisse im Ort ermittelt. Anschließend wurden ein Betreiber und eine große Supermarktkette als Lieferant gefunden. Was ganz wichtig ist: Die Einwohner müssen „ihren“ Laden akzeptieren und letztlich auch dort einkaufen. In Gertenbach hat die ehemalige Vorsitzende des Landfrauenvereins die Geschäftsführung übernommen und dient damit als Netzwerkerin. Die örtlichen Vereine haben sich zudem bereit erklärt, dort einzukaufen und auch eine Bank, die dort  ein wöchentliches Frühstück veranstaltet, unterstützt so den Dorfladen. „So ein Laden ist mehr als ein Ort zum Einkaufen“, stellte Stadtplaner Dr. Michael Glatthaar aus Göttingen fest, ergänzende Dienstleistungen sowie ein gute Infrastruktur vor Ort mit beispielsweise Ärzten oder Schulen und Kindergärten seien ebenfalls unabdingbar.

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