Die Koalitionsfraktionen im Main-Kinzig-Kreis reagierten in einer Pressemitteilung auch auf die Äußerungen des FDP-Fraktionsvorsitzenden im Main-Kinzig-Kreis und Landtagsabgeordneten, Alexander Noll, sowie des schulpolitischen Sprechers der FDP-Fraktion im Kreistag, Patrick Ommert. Die Fraktionsvorsitzenden Klaus Schejna (SPD), Reiner Bousonville (Grüne) und Jürgen Heim (FW) begrüßten zwar die – wenn auch späte - Einsicht der hiesigen FDP zur Wahlfreiheit zwischen G8 und G9, verwahrten sich aber gegen den Tonfall der liberalen Kreistagskollegen, die Schulen dürften nicht allein gelassen werden.
„Es ist gut, dass sich inzwischen bis hin zur FDP die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass G8 weder für die Kinder, noch für die Eltern und auch nicht für die Schulen gut war. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hat die Reißleine gezogen und der hessischen Kultusministerin Beer (FDP) das Heft des Handelns aus der Hand genommen. Mit einer kurzfristig angesetzten Pressekonferenz hat Bouffier dem unwürdigen G8-Spiel der FDP, das auf dem Rücken aller Beteiligten ausgetragen wurde, schließlich ein Ende gesetzt. Der Ministerpräsident tat dies nicht etwa, weil er die inhaltlichen Probleme mit G8 erkannt hätte, sondern aus rein parteitaktischen Erwägungen“, so die Fraktionschefs von SPD, Grünen und FW.
Die „politische Vollbremsung des FDP-Ministeriums durch den Ministerpräsidenten“, werfe zwar ein düsteres Licht auf die Zusammenarbeit von schwarz-gelb im Land Hessen, im Ergebnis aber halten die Koalitionsfraktionen die Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 für richtig. „Es ist bedauerlich, dass erst eine Generation von Schülerinnen und Schülern das G8-Trauma durchleiden musste, bevor sich bei der Landesregierung ein Umdenken hin zur Wahlfreiheit einsetzte. Statt aber nun Ruhe an die Schulen zu bringen, hat die neue Ministerin mit ihren vagen Regelungen bei der Umsetzung für erneutes Chaos und völlige Verwirrung an den Schulen gesorgt. Da ist es schon dreist, wenn nun die örtliche FDP versucht, wie dies auch schon bei der Schulsozialarbeit der Fall war, die Ordnung für das Chaos der Landesregierung dem Schulträger in die Schuhe zu schieben“, so die Fraktionschefs von SPD, Grünen und FW.
Die Koalitionsfraktionen sind sich sicher, dass bereits Gespräche zur Umsetzung der Wahlfreiheit an den Schulen im Main-Kinzig-Kreis stattgefunden haben. Zunächst einmal müssten aber die Schulleiter ihre Vorstellungen präzisieren, bevor sich der Schulträger öffentlich positioniere. „Grundsätzlich begrüßen wir, dass G8 nun doch nicht mehr das Nonplusultra im gymnasialen Bereich sein soll. Dennoch halten wir die Zeitschiene des Gesetzentwurfes angesichts der jetzt anstehenden Beratungstermine (Eltern und Schüler/innen des Jahrgangs 4 beim Wechsel in die weiterführenden Schulen) für übereilt. Der Vorlauf für die Gymnasien, um eine solche Organisationänderung bereits zum Schuljahr 2013/14 umsetzen zu können, ist zu gering. Hier sind die Landesregierung und insbesondere das Kultusministerium am Zug, den vorgelegten Gesetzentwurf zu überarbeiten und die nachfolgenden Ausführungsverordnungen chaosfrei zu gestalten“, forderten Schejna, Bousonville und Heim.
„Jetzt ist nicht wilder Aktionismus gefordert. Das Gebot der Stunde ist es, Ruhe und Besonnenheit an die Schulen zu bringen und die konzeptionellen Vorbereitungen zu treffen. Nach Beendigung aller Gespräche zwischen Schulträger, Schulen und Staatlichem Schulamt wird der Kreistag eine Vorlage zur Beratung und Entscheidung vorgelegt bekommen, welche die Wünsche der Schulen und der Eltern beinhaltet“, kündigten die Fraktionsvorsitzenden an.



