Eingeladen hatte dazu die Alzheimer Gesellschaft Main-Kinzig. Als Referentinnen konnte sie Gabriele Karadeniz vom Modellprojekt „SOwieDAheim“ sowie Kornelia Zinnel, Betreiberin einer eigenen Praxis für Musiktherapie, gewinnen. Sie betonten im Barbarossasaal des Main-Kinzig-Forums, wie Musik als Türöffner zur Gefühls- und Gedankenwelt von Menschen dienen kann, die an Demenz erkrankt sind.
Klaus Pichl begrüßte in Vertretung der zuständigen Dezernentin Susanne Simmler die rund 90 Besucherinnen und Besucher im Barbarossasaal. „Sie haben ein ganz wunderbares Thema für diesen Tag gewählt“, sagte Pichl. „Musik entspannt, kann Trost spenden und auch Hilfe und Motivation geben.“ An positive Erlebnisse der Vergangenheit erinnere man sich selbst oft anhand bekannter Lieder und Klänge. Das sei eine Chance für die Pflege von Demenzerkrankten. „Musik stärkt die Seele, auch wenn der Körper krank und schwach ist.“
Er wies auf die Notwendigkeit hin, den Pflegealltag mit Elementen zu versehen, die einen Zugang zu den kranken Menschen schaffen. „Denn Demenz stellt unsere Gesellschaft vor eine immer größere Herausforderung. Derzeit sind 7.300 Menschen im Main-Kinzig-Kreis demenzkrank. Aktuelle Prognosen sagen uns, dass diese Zahl bis 2035 auf 10.000 ansteigen wird“, so Pichl.
Über Musik einen Zugang zum Innersten eines Menschen schaffen funktioniere in der Praxis sehr gut, auch wenn das für Außenstehende mitunter überraschend komme, erklärte anschließend Gabriele Karadeniz. Sie berichtete von Menschen, die schon lange nicht mehr sprechen konnten, aber bei Musik und Tanz plötzlich lebhaft wurden. Sie berichtete von der Rückkehr bestimmter Erinnerungen und auch teilweise der Rückkehr bestimmter Fähigkeiten für den Moment, in dem Lieder aus der Kindheit erklingen.
„Musik transportiert etwas“, meinte denn auch Kornelia Zinnel. „Es ist das, was uns helfen kann, sehr sehr viel aus der Vergangenheit wieder zurückzuholen.“ Das machte sie dem Publikum sehr anschaulich deutlich. So stimmte sie auf der Gitarre das Wiegenlied an und vermutete zurecht, dass sie damit bei den Zuhörerinnen und Zuhörern Erinnerungen weckte an Momente, in denen ihnen das Lied vorgesungen wurde oder in denen sie das Lied ihren Kindern vorsangen.
Musik helfe, den an Demenz Erkrankten schöne Momente zu ermöglichen, fanden nach einer abschließenden Diskussion auch viele der Gäste im Main-Kinzig-Forum. Sie durften natürlich auch kräftig mitsingen, etwa bei den Auftritten des Volkschors Gelnhausen und des BSG-Chores des Main-Kinzig-Kreises.
Foto: Kornelia Zinnel demonstriert klangstark, wie Musik Momente aus der Vergangenheit zurückholen kann.



